Diplomaten beider Länder trafen sich gestern im Außenministerium in Moskau. Quelle: shutterstock.com

Jahrelang lagen die Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei auf Eis – nun haben sich Vertreter der beiden Länder in Moskau zu Gesprächen getroffen.

Das Treffen habe „in positiver und konstruktiver Atmosphäre“ stattgefunden, teilten das türkische und das armenische Außenministerium am Freitag mit. Beide Seiten seien bereit, die Verhandlungen mit dem Ziel der vollständigen Normalisierung der Beziehungen fortzusetzen. Ein Termin für ein weiteres Treffen steht noch nicht fest.

Die Beziehungen zwischen beiden Nachbarstaaten sind durch mehrere Konflikte belastet – unter anderem durch den massenhaften Tod von Armeniern im Ersten Weltkrieg. Rund 1,5 Millionen Armenier wurden Historikern zufolge damals Opfer systematischer Tötungen im Osmanischen Reich.

Türkei: Massaker ja, Genozid nein

Als dessen Rechtsnachfolgerin gibt die Türkei zwar Massaker an 300.000 bis 500.000 Menschen zu, weist die Einstufung als Völkermord aber zurück. Eine Anerkennung der Gräueltaten als Genozid durch den Bundestag im Jahr 2016 belastete die deutsch-türkischen Beziehungen schwer.

Die Grenze zwischen beiden Staaten ist seit 1993 geschlossen, bis Dezember vergangenen Jahres waren die diplomatischen Kontakte jahrelang ausgesetzt. Die Türkei pflegt indes enge Beziehungen zu Armeniens verfeindetem Nachbarland Aserbaidschan und unterstützte es im jüngsten Krieg um Bergkarabach im Südkaukasus auch militärisch.

Embargo obsolet, Flüge gestartet

Mitte Dezember kündigten beide Seiten an, bereit für eine Normalisierung der Beziehungen zu sein. Armenien beschloss später, ein Embargo gegen türkische Produkte nicht zu verlängern. Die türkische Billigfluggesellschaft Pegasus Airlines wiederum will ab Februar regelmäßig die armenische Hauptstadt anfliegen, ebenso eine armenische Fluglinie umgekehrt die türkische.

Die Öffnung der Grenze könnte beiden Ländern wirtschaftliche Vorteile bringen. Es gibt jedoch auch Stimmen, die bezweifeln, dass es nach mehreren erfolglosen Versuchen in der Vergangenheit nun ernsthafte Fortschritte geben dürfte. „Die türkische Führung ist nicht wirklich daran interessiert, die Beziehungen zu Armenien zu normalisieren“, sagte der armenische Turkologe Ruben Safrastjan der Deutschen Presse-Agentur. „Sie wollen Armenien nur als ihren Vasallen sehen und es von Russland losreißen.“

dpa/dtj