Istanbul: Passagiere gehen an Bord einer Fähre. Foto: Onur Dogman/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Die türkische Notenbank hat ihren Leitzins ungeachtet der sehr hohen Inflation ein weiteres Mal gesenkt. Präsident Erdoğan hatte zuvor immer wieder Druck auf die Notenbank ausgeübt.

Der Leitzins werde um 1,5 Prozentpunkte auf 10,5 Prozent reduziert, teilte die Zentralbank am Donnerstag in Ankara mit. Volkswirte hatten mehrheitlich mit einer Reduzierung auf lediglich 11,0 Prozent gerechnet. Es ist bereits die dritte Leitzinssenkung in Folge. Die Inflation hatte im September bei 83,5 Prozent gelegen – so hoch wie zuletzt 1998.

Eigentlich wären nach ökonomischer Lehrmeinung also deutliche Zinserhöhungen angesagt, um die wirtschaftlichen Aktivitäten abzukühlen und die Teuerung so in den Griff zu bekommen. Allerdings ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ein Gegner hoher Zinsen und hat immer wieder Druck auf die Notenbank ausgeübt. Zudem erklärte er jüngst, dass die Zinsen fallen würden, solange er im Amt sei.

Lira schwächste Schwellenländer-Währung

Die türkische Lira reagierte zunächst kaum auf die Zinsentscheidung, steht angesichts der sehr lockeren Geldpolitik aber schon seit längerem unter Druck. Im Handel mit dem US-Dollar bewegt sie sich in der Nähe des Rekordtiefs. Mittlerweile ist die Lira die schwächste Schwellenländer-Währung überhaupt.

Die schwache Lira verteuert die Importpreise und treibt die Inflation zusätzlich an. Hinzu kommen anhaltende Probleme in den internationalen Lieferketten, die Vorprodukte teurer machen. Daneben steigen die Preise von Energie und Rohstoffen, vor allem wegen des russischen Krieges gegen die Ukraine.

dpa/dtj