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Panorama

Über 1300 Tote nach Erdbeben in Marokko: Auch die Türkei hilft

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Ein Rettungssanitäter macht eine Pause während einer Rettungsaktion im Dorf Moulay Brahim, südlich von Marrakesch. Foto: Mosa'ab Elshamy/AP/dpa

In der Nacht zum Samstag bebte in Marokko die Erde. Hunderte starben, das ganze Ausmaß der Katastrophe ist zunächst nicht klar. In der Türkei, in Deutschland und anderen Ländern bereiten sich Hilfskräfte zur Stunde auf ihren Einsatz vor.

Nach dem schweren Erdbeben in Marokko haben mehrere Länder dem nordafrikanischen Land ihre Hilfe angeboten. Die Vorbereitungen des Technischen Hilfswerks (THW) liefen, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am Samstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Sobald wir mehr Informationen haben, welche Hilfe konkret benötigt wird, können wir unsere Spezialisten nach Marokko entsenden.“ Helfer und Ausrüstung stünden bereit, sagte eine Sprecherin des Technischen Hilfswerks (THW) am Samstagabend. Es gebe allerdings noch keine offizielle Anforderung für einen Einsatz. „Wir haben hier noch kein Hilfeersuchen von Marokko“, erläuterte die Sprecherin. Sobald es komme, könne das Team rasch starten.

Aus der Türkei machten sich bereits erste Helfer-Teams der Katastrophenschutzbehörde AFAD auf den Weg, weiteres Personal sowie Zelte und Hilfsgüter stünden bereit, sobald Marokko Hilfe anfordere. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan drückte sein Mitgefühl aus. „Wir stehen unseren marokkanischen Geschwistern an diesem schweren Tag mit allen Mitteln zur Seite“, schrieb er auf Twitter. Angesichts der vielen Toten teilte er sein Beileid mit und wünschte den Verletzten schnelle Genesung. Die Türkei war erst Anfang Februar von schweren Erdbeben im Süden des Landes getroffen worden, rund 51.000 Menschen kamen dabei ums Leben.

Epizentrum gut 70 Kilometer südwestlich von Marrakesch

Das Beben hatte sich am späten Freitagabend um 23.11 Uhr Ortszeit ereignet. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS hatte es eine Stärke von 6,8, laut dem Helmholtz-Zentrum Potsdam von 6,9. Das Epizentrum lag gut 70 Kilometer südwestlich von Marrakesch im Atlasgebirge. Dem USGS zufolge ereignete sich das Beben in einer Tiefe von 18,5 Kilometern. Erdbeben in einer solch geringen Tiefe sind laut Experten besonders gefährlich.

Offiziellen Angaben vom Samstagabend zufolge kamen mindestens 1305 Menschen ums Leben. Mindestens 1832 weitere Menschen erlitten laut Innenministerium Verletzungen. Es wird damit gerechnet, dass die Zahl der Toten und Verletzten weiter steigt und es weitere Nachbeben geben wird. Betroffen waren Gebiete des Atlasgebirges bis zur Altstadt von Marrakesch.

Marokko rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Nationalflaggen an öffentlichen Einrichtungen sollen dafür auf halbmast gesetzt werden, wie die staatliche Nachrichtenagentur (MAP) unter Berufung auf eine Mitteilung des Königshofs berichtete.

Bislang keine türkischen oder deutschen Opfer bekannt

Die türkische und deutsche Regierung prüfen, ob auch Türken oder Deutsche unter den Opfern sind. Derzeit lägen keine Kenntnisse darüber vor, dass sich deutsche Staatsangehörige unter den Opfern befinden, hieß es am Samstagnachmittag aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Die Lage in dem Erdbebengebiet sei aber in Teilen noch sehr unübersichtlich.

Auf Bildern und Videos in sozialen Netzwerken waren Trümmerhaufen, zerstörte Gebäude und beschädigte Teile der berühmten roten Mauern zu sehen, die die Altstadt von Marrakesch umgeben, ein Unesco-Weltkulturerbe. Andere Videos zeigten schreiende Menschen, die Restaurants in der Stadt verließen. Aus vielen Provinzen wurden Tote gemeldet. Kurz nach dem ersten Beben kam es zu einem Nachbeben der Stärke 4,9. Aus Angst vor weiteren Erschütterungen blieben viele im Freien. Bewohner standen in Straßen oder kauerten auf Gehwegen.

1960 starben mehr als 12.000 Menschen

Rettungskräfte suchten unter den Trümmern nach Überlebenden. Es wurde befürchtet, dass die offizielle Zahl der Opfer weiter steigt, wenn die Einsatzkräfte entlegene Regionen erreichen. Die marokkanische Nachrichtenseite Hespress berichtete unter Berufung auf das Innenministerium, die Streitkräfte und der Zivilschutz setzten alle Mittel ein, um Hilfe zu leisten und die Schäden zu begutachten. Demnach gibt es die meisten Schäden außerhalb der Städte.

Das Beben in Marokko war das tödlichste seit mehreren Jahrzehnten. 1960 gab es eines in der südmarokkanischen Küstenstadt Agadir mit der Stärke 5,8, bei dem Berichten zufolge mehr als 12.000 Menschen ums Leben kamen.

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