Mekka: Ein irakischer Hadsch-Pilger nimmt Wasser aus dem heiligen Brunnen von Zamzam, einer Süßwasserquelle unter dem Hof der Großen Moschee. Foto: Ashraf Amra/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa

In den Weltreligionen ist Wasser ein Ursymbol, es gilt als reinigende Kraft und Verbindung zum Göttlichen. Unter der Großen Moschee in Mekka sprudelt seit der Antike eine Quelle, die den Durst unzähliger Muslime löscht. Auf teils dubiosen Wegen kommt es auch nach Europa.

In weißen Roben wandern die Gläubigen über Marmor, vertieft im religiösen Ritus und Gebet. In Mekka in Saudi-Arabien, wo sich Pilger in den letzten Tagen in Scharen zur Wallfahrt Hadsch versammelten, steigen die Temperaturen wieder über 40 Grad Celsius. Für Abkühlung sorgt Wasser aus dem Zamzam (türkisch: zemzem), einer Süßwasserquelle unter dem Hof der Großen Moschee. Muslime sagen dem „besten Wasser der Welt“, so nennt es die Regierung, heilende Wirkung nach. Trotz eines Exportverbots findet es seinen Weg aus dem Königreich – auch nach Deutschland.

Der Hadsch als eine der weltgrößten Versammlungen von Muslimen – dazu in sengender Hitze – wäre ohne die Zamzam-Quelle schwer denkbar. Deren Alter wird auf 4000 Jahre geschätzt, schon Karawanen machten an ihr Station. Nach islamischer Überlieferung entdeckte Hadschar, die Frau Abrahams, die Quelle auf der Suche nach Wasser für ihren Sohn Ismael in einem sonst trockenen Tal. Neben dieser Quelle bauten die Propheten den schwarzen Kubus namens Kaaba, dem größten Heiligtum für Muslime, um das schließlich die Stadt Mekka heranwuchs.

Direkt neben der Kaaba

Nur 20 Meter liegen zwischen Kaaba und der unterirdischen Quelle, aus der zwei Pumpen pro Sekunde bis zu 18,5 Liter Wasser ziehen. Was einst mit Eimern und Seilen ans Tageslicht kam, gelangt heute über Leitungen in eine moderne Abfüll- und Verteilstation, benannt nach dem verstorbenen König Abdullah. Vor Corona strömten in der Wallfahrt-Saison nach offiziellen Angaben täglich rund zwei Millionen Liter zu den Pilgern. Es fließt aus Trinkbrunnen, Wasserspendern und Plastikflaschen, die heute auch von Robotern serviert werden.

Wasser ist in den Weltreligionen ein Ursymbol. Es spendet Leben und reinigt, es gilt als Verbindung zum Göttlichen. Mit Wasser werden Christen getauft, im Hinduismus wäscht es Schuld weg und ermöglicht einen Neubeginn. Das jüdische Volk wurde laut der Bibel vom Wasser des Roten Meeres vor seinen Verfolgern beschützt. Zamzam-Wasser wiederum ist nach Worten des islamischen Propheten Muhammad „gesegnet“, es „macht satt wie Essen“ und „heilt Krankheiten“.

Business mit dem heiligen Wasser

Kein Wunder, dass Muslime in Mekka sich das heilige Nass in Kanister abfüllen – und dass trotz eines Exportverbots ein Nischenmarkt im Ausland entstanden ist. In Südasien, USA oder Europa werben einige Online-Händler mit „garantiert echtem“ Zamzam-Wasser, den genauen Transportweg verschweigen viele. „In arabischen Ländern gibt es immer bestimmte Wege“, sagt der Inhaber eines Berliner Geschäfts, der das Wasser nach eigenen Angaben aus Belgien bezieht.

In muslimisch geprägte Länder wie die Emirate, Jordanien oder Ägypten wird das Wasser offenbar legal geliefert. Ein deutscher Händler sagt zumindest, er kaufe von dort ein – mit Importnachweis und Anmeldung beim Gesundheitsamt. Zudem erhielten islamische Zentren in Europa das Wasser als Geschenk Saudi-Arabiens, die es dann verteilten und einen Überschuss verkauften. Ein Glück für Muslime, die sich die oft Tausende Dollar teure Wallfahrt nicht leisten können oder körperlich zur weiten Anreise nicht in der Lage sind.

Fälschung aus der Türkei

Aber begehrte Ware führt zu Nachahmern. Ein Verkäufer berichtet von Fälschungen mit „reinem Hahnwasser“. Bei seiner eigenen Ware glaube er an die Authentizität – „aber 100 Prozent weiß man es nie“. Echtes Zamzam-Wasser erkenne man nur am Geschmack, sagt ein anderer Online-Händler. „Für den Laien ist das schwierig und eine große Vertrauenssache.“

Fälschungen tauchten vor einigen Wochen in Großbritannien auf mit einer Container-Lieferung aus der Türkei. Für umgerechnet rund 30 Euro seien Fünf-Liter-Flaschen in Geschäften angeboten worden, berichtete die Zeitung „Telegraph & Argus“. In Malaysia wiederum entdeckten Fahnder 2019 illegal aus Saudi-Arabien eingeführte Zamzam-Flaschen mit einem Marktwert von umgerechnet 550.000 Euro. So wird Wasser, das in Mekka kostenlos fließt, auch zur Schmuggelware.

Von der „Zamzam-Mafia“, die in Mekka mit Abfüll-Tricks vor Jahren illegale Geschäfte machte, war in dieser Hadsch-Saison noch nichts zu hören. Für den persönlichen Gebrauch kann man das Wasser inzwischen auch in vielen saudischen Supermärkten und am Flughafen kaufen, fünf Liter kosten umgerechnet etwa 1,45 Euro. Im Handgepäck dürfen Reisende eine große Plastikflasche sogar mit ins Flugzeug nehmen – gewissermaßen als religiöses Souvenir für die Familie zu Hause.

dpa/dtj