Archivfoto: Ein muslimisches Grab auf einem Friedhof in Frankfurt. Foto: Boris Roessler/dpa

Islamische Bestattungen sollen künftig in einer weiteren thüringischen Stadt auf einem separaten Friedhofsgebiet möglich sein. Bisher gibt es diese Möglichkeit in Jena, Erfurt, Nordhausen, Sonneberg und Weimar. 

Ein weiteres solches Grabfeld soll auf dem Friedhof Eisenach angelegt werden. Das dortige islamische Kulturzentrum und die Stadtverwaltung unterzeichneten am Donnerstag eine entsprechende Nutzungsvereinbarung.

„Alle Menschen, ganz gleich welchen Glauben sie praktizieren, müssen ein Anrecht auf eine Bestattung haben, die ihrer Religion gerecht wird“, sagte Bürgermeister Christoph Ihling. Mit der Vereinbarung sei ein erster Schritt getan, damit muslimische Bürger in Eisenach zukünftig die Möglichkeit einer würdevollen Beerdigung erhalten. „Dafür hat sich die muslimische Gemeinschaft bewegt und einige Kompromisse ermöglicht“, betonte Ihling.

Kulturzentrum und Ausländerbeirat der Stadt hatten sich für ein muslimisches Grabfeld eingesetzt. Die Nutzungsregeln für das neue Grabfeld wurden mit dem Gestaltungsbeirat „Friedhöfe der Stadt Eisenach“, dem Islambeauftragten des Bistums Erfurt a. D., Hubertus Staudacher, und dem islamischen Kulturzentrum abgestimmt. Mit einer Eröffnung ist laut Stadt voraussichtlich Ende 2024 zu rechnen. Eisenach wäre dann die sechste Stadt im Freistaat mit einem Areal für Bestattungen nach islamischem Ritus auf einem kommunalen Friedhof.

Andere Regeln im Islam

Bisher gibt es diese Möglichkeit auf Friedhöfen in Jena, Erfurt, Nordhausen, Sonneberg und Weimar. Dort war Ende vergangenen Jahres ein Grabfeld eröffnet worden. 22 Erwachsene können in Erdwahlgräbern bestattet werden, außerdem gibt es 14 separate Kindergrabstätten. Bislang seien muslimische Verstorbene zur Beisetzung meist in ihr Herkunftsland gebracht worden, sagte ein Sprecher.

Bestattung ohne Sarg: Jetzt in fast ganz Deutschland offiziell erlaubt

Islamische Bestattungen unterscheiden sich in einigen Aspekten von den in Deutschland üblichen. Beispielsweise sind islamische Gräber nach Mekka ausgerichtet. Die saudi-arabische Millionenmetropole gilt als Geburtsort des Propheten Muhammad und ist zentraler Wallfahrtsort des Islams. In Thüringen gibt das Bestattungsgesetz des Landes auch bei Bestattungen nach muslimischer Tradition den rechtlichen Rahmen vor, wie aus einer Broschüre der Thüringer Migrationsbeauftragten Mirjam Kruppa hervorgeht. So müssen etwa zwischen Tod und Beisetzung mindestens 48 Stunden vergangen sein, was mit der muslimischen Tradition der Beisetzung innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod kollidiert.

dpa/dtj