Die Netflix-Serie "Der Vogel und die Löwin" mit Birce Akalay (l.) hat überzeugt. Staffel zwei und drei sind bereits in der Pipeline. Foto: Screenshot/ Netflix

Türkische Filme und Serien gehen weltweit durch die Decke – auch unter dem Label des Streaming-Dienstes Netflix. DTJ-Online geht einigen dieser Neuerscheinungen nach. Diesmal im Fokus: die Serie „Der Vogel und die Löwin“, die vor gut fünf Monaten erschienen ist.

Die Geschichte, die uns in acht Folgen erzählt wird, ist schnell verstanden. Eine enorm erfolgreiche Nachrichten-Moderatorin, die bei der gesamten Bevölkerung Bewunderung auslöst, wird von einer Newcomerin krankhaft beneidet. Dabei geht es nicht nur um die eindrucksvolle Schönheit von Lale Kıran, gespielt von Birce Akalay.

Die junge Verschwörerin Aslı (Miray Daner) macht es sich zum zwanghaften Ziel, die Berühmtheit zu stürzen und an ihre Stelle zu treten. Lässt man das journalistische Setting außen vor, könnte man das Schema dieser Serie auch mit dem Kampf um den Thron in einem mächtigen Imperium austauschen.

Ignoranz als Trigger – der große Fehler der Löwin

Dieser Konflikt, der das Leitmotiv dieser Serie darstellt, wird bereits zu Beginn der ersten Folge fokussiert. Lale ist in eine Universität eingeladen worden, um als prominente Speakerin über Medien bzw. Journalismus zu referieren. Studierende aus diesem Bereich hören dem Superstar gespannt zu.

Für Aslı ist es keine Pflichtveranstaltung. Sie ist ihrem Idol verfallen und wartet auf eine Gelegenheit, mit ihr zu sprechen. Als Lale nach dem Seminar auf die Toilette geht, überlistet Aslı ihre beiden Mitarbeitenden, die vor der Tür stehen. Mit dem Vorwand schwanger zu sein, kommt die listige Aslı hinein.

Aslı wird Teil von Lales Team

Und da bietet sich die Gelegenheit: Lale greifbar nah, abgelenkt und unkonzentriert. Die Löwin erscheint verletzlich, der Vogel will ihr gefallen. Doch die Starjournalistin würdigt die Studentin keines Blickes. Ein großer Fehler. Aslı ist von dieser Aktion derart gekränkt und aufgestachelt, dass sich ihre Bewunderung in puren Hass verwandelt.

Die von ihrer Eitelkeit getriebene Aslı schmiedet Rachepläne. Sie will sich an Lale heranschleichen und bewirbt sich für ein Praktikum. Aslı sticht die Mitbewerber:innen aus und wird ein wichtiger Bestandteil in Lales Team. Dabei sind ihr alle Mittel recht. Sie setzt nicht auf Können und Leistung, sondern auf Intrigen.

Aslı steigt zu Lales wichtigster Bezugsperson auf

Sie beobachtet jede Person im Umfeld und wartet nur auf mögliche Fehler und Lücken, beginnt Personen zu erpressen und kommt Lale so Stück für Stück näher. Der Vogel kreist über der Löwin – und nutzt die Gunst der Stunde. Aslı steigt zur Person Nummer eins an Lales Seite auf und wird zu ihrer wichtigsten Bezugsperson. Kritisch ist hier anzumerken, dass ihr nahezu jeder Schachzug gelingt, was im echten Leben so nicht oft vorkommen dürfte. Niemand wird hellhörig und hinterfragt sie. Vor allem ihren schnellen Aufstieg nicht, auch wenn der dem einen oder anderen etwas zu kometenhaft vorkommt.

Neue türkische Netflix-Serie „Bir Başkadır“ ein voller Erfolg

In diesem Prozess fällt Lale als Person auf, die nicht eitel, sondern fürsorglich ist. Im Team ist sie fair, in ihrem Beruf professionell, im Privatleben genießt ihre Familien höchste Priorität. Vom Hype um ihre Person ist sie einfach nur müde. Doch für Aslı spielt all das keine Rolle mehr. Sie hat nur noch ein Ziel vor Augen: den Sturz der Löwin.

Social Media als Machtinstrument

Garniert mit Rache, Liebe, Sex und Zärtlichkeit ist die Serie sehenswert, trotz der oben erwähnten Kritik. Spannend auch: der gezielte Einsatz von Social Media, der den Zeitgeist widerspiegelt. Interessant ist zu beobachten, wie Aslı mit ihren zig Fake-Accounts die „sozialen“ Nutzwerke für ihre „asozialen“ Ziele und ihre Verschwörung nutzt.

So ist sie mal Whistleblowerin, mal Verschwörerin und immer wieder auch Troll. Als Whistleblowerin zwitschert der kleine Vogel Internas aus und setzt Lale und ihr Team so unter enormen Druck. Sie sät Zwietracht zwischen den Figuren und setzt Gerüchte in die Welt. Als Troll kommentiert sie massenhaft, bis ihre Themen auf Twitter und Co. trenden.

Der Vogel setzt sich auf den leeren Stuhl

Durch diese Nadelstiche bringt sie schließlich das Team um Lale in so große Schwierigkeiten, dass sich Vertrauensverlust und Fehler häufen. Die Ereignisse überschlagen sich. Am Ende ersetzt schließlich Aslı Lale und wird vom Vogel selbt zur Löwin.

Netflix-Serie zu Minderheiten in der Türkei: Pogrom, Vertreibung, Flucht

Sie übernimmt die Rolle der Nachrichtensprecherin und kommt zu ihrem ersten Auftritt, womit die erste Staffel der Serie endet. Die Story war ein Publikumserfolg. Staffel zwei und drei wurden bereits angekündigt. Welche Rollen Aslı und Lale genau spielen werden, bleibt indes offen.