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Kultur/Religion

Ein Mann, zwei Leben: Cat Stevens alias Yusuf Islam wird 75

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Einer der größten Rockstars: der als Cat Stevens berühmt gewordene Sänger Yusuf, der zwischenzeitlich auch den Beinamen Islam trug. Foto: John Stillwell/PA Archive/dpa
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Er ist einer der größten Sänger und Songwriter der Rock- und Popgeschichte. Doch lange Zeit will er davon selbst kaum etwas wissen. Cat Stevens, der sich lange Zeit nur Yusuf Islam nennt, ist mit 75 Jahren im Reinen mit sich selbst und der Welt.

Smoking, Rüschenhemd und Beatle-Haarschnitt: Wenn der Sänger und Songwriter Yusuf, der sich inzwischen auch wieder Cat Stevens nennt, an seinen Auftritt in der deutschen TV-Musiksendung „Beat-Club“ im Jahr 1967 zurückdenkt, wundert er sich über sein „unerhörtes“ Selbstvertrauen von damals. Inmitten des Publikums schmetterte er seinen Hit „Matthew and Son“ vor der Live-Kamera ohne Anzeichen von Nervosität.

„Das ist schon fast ein komplett anderer Mensch“, sagt der Brite, der am heutigen Freitag 75 Jahre alt wurde, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur über sein jüngeres Selbst. „Cat“ (Katze), wie er sich später nennt, wird 1948 als Steven Demetre Georgiou in London geboren und wächst im West End auf. Seine Eltern, ein griechischer Zypriot und eine Schwedin, betreiben in dem Ausgehviertel der britischen Hauptstadt ein Restaurant.

Durchbruch mit „Matthew and Son“

Das Gitarrespielen bringt er sich selbst bei. Erste Erfolge feiert er 1966 mit „I Love My Dog“. Der richtige Durchbruch kommt aber mit „Matthew and Son“, das auf Platz zwei der britischen Charts klettert und ihn in den Olymp der Popstars katapultiert. Erfolg bringen ihm auch Songs, die er für andere schreibt. Mit „The First Cut Is The Deepest“ landet die US-Soulsängerin P.P. Arnold einen Hit. Die Tremeloes schaffen mit seinem Song „Here Comes My Baby“ den internationalen Durchbruch.

Wegen einer beinahe tödlichen Tuberkulose-Erkrankung muss Cat Stevens Ende der 1960er-Jahre seine Karriere unterbrechen. Die Zeit im Krankenhaus, so erinnert er sich später, löst bei ihm einen Prozess des Nachdenkens über den Sinn des Lebens aus. Was folgt, ist eine außergewöhnliche Schaffensperiode, aus der Songs wie „Father and Son“, „Peace Train“, „If You Want To Sing Out“, „Moonshadow“ und „Morning Has Broken“ hervorgehen.

Ende 1970er Jahre wird Cat zu Yusuf

Stevens ist jetzt ein internationaler Superstar. Doch die Suche nach dem Sinn geht weiter: Wie George Harrison und andere Zeitgenossen erhofft er sich spirituelle Inspiration im Osten. Doch während der 2001 gestorbene Ex-Beatle sein Heil im Hinduismus findet, wird Stevens nach einiger Zeit im Islam fündig.

Nach einem weiteren Nahtod-Erlebnis – er ertrinkt beinahe beim Schwimmen im kalifornischen Malibu – kehrt Stevens der schillernden Welt der Rock- und Popstars Ende der 1970er-Jahre den Rücken. An die Stelle des lächelnden, gut aussehenden Jungen mit den schwarzen Locken tritt ein ernst dreinblickender Mann mit langem Bart, der sich teils mit Turban und anderen traditionellen islamischen Kleidungsstücken bei selten gewordenen Interviews zeigt. Er heißt jetzt Yusuf Islam.

„King of a Land“: Yusuf Islam mit dem Rockstar Cat Stevens vereint

Den Sänger Cat Stevens, den Millionen durch seine Musik und sein unbeschwert wirkendes Auftreten lieben gelernt haben, gibt es nicht mehr, so scheint es. Yusuf Islam widmet sich dem Studium des Korans. Er heiratet innerhalb der islamischen Gemeinde und wird Familienvater. In London gründet er eine islamische Schule und verschiedene Hilfsprojekte, mit denen er vor allem versucht, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Pop-Musik ist von ihm nicht mehr zu erwarten, scheint es.

Autobiographie erscheint im kommenden Jahr

Viele Fans sind fassungslos, hoffen, dass er sich noch einmal anders entscheidet, doch er bleibt dabei. Den Namen Yusuf, die arabische Version von Joseph, wählt er, weil er sich wie die Figur aus Koran und Altem Testament, die von seinen Brüdern aus Eifersucht in einen Brunnen geworfen und nach Ägypten verkauft wird, oft missverstanden fühlt. Mehr dazu wolle er in seiner Autobiografie erzählen, die im kommenden Jahr erscheinen soll, kündigt er im dpa-Gespräch an.

Der Rückzug in die Frömmigkeit des Islams hat auch Auswirkungen auf sein musikalisches Vermächtnis. Als er sich Ende der 1980er zu heiklen Äußerungen im Streit um das Buch „Die Satanischen Verse“ hinreißen lässt, und dabei das vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Chomeini verhängte Todesurteil gegen den britisch-indischen Autor Salman Rushdie zu rechtfertigen scheint, wird er von US-Radiosendern boykottiert.

Im Jahr 2004 wird ihm sogar die Einreise in die USA verweigert. Ein Flugzeug, mit dem er von London nach Washington DC unterwegs ist, wird zunächst umgeleitet. Islam muss wieder nach Großbritannien zurück. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sind die US-Behörden misstrauisch.

„Es hat lange gebraucht“

Eine erneute Wende kommt im Jahr 2006. Erstmals seit 25 Jahren bringt er wieder ein Pop-Album heraus, nachdem er sich seit den 1990er-Jahren langsam wieder der Musik – wenn auch nur nach strengen islamischen Regeln – zugewandt hatte. Yusuf Islam sucht wieder das Rampenlicht. Doch die Wiederauferstehung des Cat Stevens braucht noch Zeit.

Im Jahr 2014 wird er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. „Es hat lange gebraucht, bis sie sich an mich erinnert haben“, sagt er im Rückblick nicht ohne Bitterkeit. 2017 erscheint dann erstmals wieder eine Platte, für die er den Namen Cat Stevens verwendet. Der Nachname Islam verschwindet hingegen. Er ist jetzt nur noch Yusuf/Cat Stevens.

„Danke für diesen schönen Moment“

Die perfekte Harmonie zwischen dem frommen älteren Herrn und dem so attraktiven wie genialen Musiker und Songwriter gelingt ihm aber erst jetzt mit seinem kürzlich erschienenen Album „King of a Land“, wie er selbst sagt. „Diese Platte ist der Inbegriff der Verschmelzung zwischen Yusuf und Cat Stevens“, sagt er.

Beim legendären Glastonbury-Festival in diesem Juli spielt er vor 100.000 Menschen in der englischen Grafschaft Somerset in weißem T-Shirt, Turnschuhen und mit getönter Brille. Viele seiner Songs singen selbst die Jüngsten Wort für Wort mit. „Danke für diesen schönen Moment“, ruft er in die Menge. Er genießt es sichtlich, zumindest zeitweise wieder Cat Stevens zu sein.

dpa/dtj