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Gesellschaft

Eskalation in Syrien: Türkische Angriffe und das Wiedererstarken des IS

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Türkische Artillerie feuert in Richtung YPG in der nordsyrischen Region Afrin. Foto: Uncredited/AP/dpa

Während die Türkei ihre Militäraktionen in Syrien intensiviert, findet die Terrorgruppe des sogenannten „Islamischen Staats“ neue Wege, um ihre Präsenz in der Region zu festigen. Das wirft Fragen über die langfristigen Perspektiven der Region auf.

Nach den jüngsten Angriffen der Türkei auf zivile Standorte im Norden Syriens, darunter Elektrizitätswerke und Weizenspeicher, wächst international die Besorgnis. Mehr als 60 Orte wurden der Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge bombardiert. Die prokurdische Organisation bezeichnete die Angriffe als „Kriegsverbrechen“.

Seit Jahren kommt es in diesem Teil der Welt regelmäßig zu türkischen Angriffen aus der Luft. Zivile Opfer werden dabei billigend in Kauf genommen. Dabei stehen die Militäraktionen in krassem Kontrast zu den türkischen Bemühungen im Kampf gegen den Terrorismus. Denn statt die kurdische Terrororganisation YPG zu schwächen, stärkt sie indes ein altes Schreckgespenst, den sogenannten „Islamischen Staaten“.

Ernsthafte Bedrohung für die gesamte Region

Inmitten der Turbulenzen findet der IS neue Möglichkeiten, sich in der Region zu festigen. Die radikal-islamistische Terrorgruppe, die nach ihrer militärischen Niederlage 2019 nie vollständig aus Syrien verschwand, nutzt die im Zuge der türkischen Luftangriffe entstandene Instabilität. Sogenannte Schläferzellen nutzen das Machtvakuum und agieren aus dem Untergrund heraus. Lokale Beobachten zählen eine Zunahme ihrer Angriffe im vergangenen Jahr.

Krieg ohne Grenzen gegen Kurdistan

Die kurdisch dominierte Selbstverwaltung, die einst an der Seite der USA gegen den IS kämpfte, sieht sich nun mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert. Und dass die Türkei ausgerechnet jene kurdische Miliz angreift, die am entschlossensten gegen die Terrorgruppe des sogenannten IS kämpfte, ist ein bleibendes Paradox der internationalen Politik – und stellt eine ernsthafte Bedrohung für die gesamte Region dar.

Türkischer Einmarsch in Nordsyrien?

Und damit nicht genug: Im Schatten des Nahostkonflikts setzt Langzeit-Präsident Recep Tayyip Erdoğan weiter auf Eskalation. Jüngst drohte er gar mit einem neuerlichen Einmarsch in Syrien. Zur Erinnerung: Zwischen 2016 und 2020 geschah das gleich drei Mal. So wetterte der türkische Machthaber erst vergangene Woche: „Wir werden uns so lange nicht wohl fühlen, solange blutrünstige Mörder in Syrien und im Irak rumlaufen.“

Mit den Worten, in den „nächsten Monaten werden wir neue Schritte in diese Richtung setzen, egal was andere sagen“, malte er ein Schreckensszenario, das ausstrahlen könnte. Der sogenannte „IS“ lauert bereits auf seine Chance. Ankara scheint gewillt, sie ihm zu geben.