Manama: Ein Arbeiter befestigt vor der Cathedral of Our Lady of Arabia ein Band an einer Stange vor Porträts, die Papst Franziskus (r.) und Bahrains König Hamad bin Isa Al Khalifa zeigen. Foto: Hussein Malla/AP/dpa

Papst Franziskus verlässt den Vatikan diesmal in Richtung Bahrain. Seine Auslandsreise führt ihn in einen superreichen Golfstaat. Das ist das vierte islamische Land in fünf Jahren.

Auf seiner mehrtägigen Reise in den Golfstaat Bahrain will Papst Franziskus Vermittler für Frieden und Dialog sein. An diesem Donnerstag fliegt der 85 Jahre alte Argentinier von Rom aus in das Königreich auf der arabischen Halbinsel, wo er am Nachmittag (Ortszeit) erwartet wird. Franziskus wird als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche das Land besuchen. Mit dieser 39. Auslandsreise in seinem Pontifikat führt er seine Annäherung an den Islam fort, nachdem er zuvor den Irak (2021), die Vereinigten Arabischen Emirate (2019) und Ägypten (2017) besuchte.

„Es wird eine Reise im Zeichen des Dialogs sein“, sagte Franziskus vor der Reise. Anlass seines Besuchs ist ein Forum, zu dem sich Vertreter verschiedener Religionen vom 3. bis 4. November im Al-Sachir-Palast treffen. Franziskus wird am Freitag die Abschlussrede halten. Bei dem Treffen geht es um die Begegnung zwischen Ost und West zum Wohl des Zusammenlebens. Der Pontifex betete, dass seine Treffen eine Gelegenheit für den Frieden seien.

Mehrheit schiitisch, Führung sunnitisch

In Bahrain leben rund 1,5 Millionen Einwohner. Im Frühjahr 2011 waren viele von ihnen, inspiriert von den Demonstrationen in anderen arabischen Ländern, gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Die Proteste wurden von der schiitischen Mehrheit getragen, die sich vom sunnitischen Herrscherhaus diskriminiert fühlt. Unterstützt von saudischen Sicherheitskräften beendete das Militär die Proteste in der Hauptstadt Manama gewaltsam. Seitdem geht die Führung mit harter Hand gegen die schiitische Opposition vor.

Menschenrechtler beklagen den anhaltenden Einsatz von Folter im Land. Auch in mehreren Fällen, in denen Menschen eine Todesstrafe erwartet, hätten die Behörden unter Folter Geständnisse der Betroffenen erzwungen. Organisationen wie Human Rights Watch pochen darauf, dass der Papst das Land bei seinem Besuch zu einem Umdenken drängt. Auch wurden Forderungen laut, dass sich Franziskus für ein Ende der Diskriminierung der Schiiten starkmachen solle.

Christliche Arbeitsmigranten

Offene Kritik sieht das bahrainische Königshaus nicht gerne. Aktivisten fürchten, dass die Regierung den Papst-Besuch zur Schönfärberei nutzen könnte, während gleichzeitig schiitische Geistliche im Gefängnis sitzen.

Laut Vatikan leben in dem Mini-Staat am Golf rund 80.000 Katholiken. Die meisten sind asiatische Gastarbeiter. Angesichts des aktuellen Weltgeschehens mit dem Krieg in der Ukraine, den Protesten im Iran und der schwierigen Menschenrechtslage warten Beobachter gespannt, ob der Papst auch diese Themen bei seinem Besuch ansprechen wird. Der Iran liegt von Bahrain aus quasi auf der anderen Seite des Meeres. Im Nachbarland Katar startet in wenigen Wochen die Fußball-Weltmeisterschaft, die wegen der widrigen Bedingungen für Arbeitsmigranten in der Kritik steht.

dpa/dtj