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Wirtschaft

Inflation außer Kontrolle: Die Türkei im Würgegriff der Wirtschaftskrise

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Das Geld wird knapp: Die türkische Landeswährung Lira verliert an Wert, die Inflationsrate steigt. Foto: Burhan Ozbilici/AP/dpa

Mit einer Inflationsrate, die auf alarmierende 65 Prozent kletterte, steht die Türkei vor einer ihrer größten wirtschaftlichen Herausforderungen. Der überraschende Rücktritt der Notenbankchefin und zweifelhafte wirtschaftspolitische Entscheidungen verschärfen die Lage. Kann sich das Land aus dem Strudel befreien?

Die wirtschaftliche Lage in der Türkei ist angespannter denn je. Eine Inflationsrate von 65 Prozent zu Beginn des Jahres, wie offiziell vom türkischen Statistikamt vermeldet, lässt tief blicken: Die Türkei kämpft mit einer der höchsten Teuerungsraten weltweit. Und dabei könnte die wahre Teuerungsrate noch höher liegen.

Die dramatische Entwicklung wird durch den unerwarteten Rücktritt von Notenbankchefin Hafize Gaye Erkan, einer erfahrenen US-Bankerin (DTJ-Online berichtete), weiter verkompliziert. Erkans Abgang, ausgelöst durch Korruptionsvorwürfe und eine mutmaßliche Rufmordkampagne, hinterlässt eine Lücke in einer bereits instabilen wirtschaftlichen Führung.

Erdoğan korrigierte sich – vorläufig

Während ihrer Amtszeit erhöhte die Zentralbank unter Erkans Führung den Leitzins drastisch von 8,5 auf 45 Prozent. Diese Maßnahme stand im starken Kontrast zu der jahrelangen Niedrigzinspolitik von Staatschef Recep Tayyip Erdoğan, der selbst bei einer Inflationsrate von über 80 Prozent an niedrigen Zinsen festhielt.

Seit seiner Wiederwahl im Mai 2023 ließ Erdoğan jedoch eine konventionellere Wirtschaftspolitik zu, was sich in der deutlichen Zinserhöhung manifestierte. Finanzminister Mehmet Şimşek verfolgte eine straffere Fiskalpolitik, insbesondere durch die Erhöhung indirekter Steuern und die Anpassung regulierter Preise.

Wirtschaftliche Zukunft der Türkei bleibt unsicher

Diese Maßnahmen führten vorerst zu einer spürbaren Stabilisierung der türkischen Wirtschaft. So sank der Risikoaufschlag für türkische Staatsanleihen von 679 auf 280 Basispunkte, während die Nettowährungsreserven von minus drei Milliarden Dollar auf 30,7 Milliarden Dollar anstiegen. Doch trotz dieser Fortschritte bleibt die wirtschaftliche Zukunft der Türkei unsicher.

Geldpolitik: Türkische Notenbank hebt Leitzins – und kündigt Konsequenzen an

Die Inflationsrate wird voraussichtlich bis Mitte 2024 auf etwa 75 Prozent ansteigen und Ende 2024 immer noch bei etwa 50 Prozent liegen. Diese Prognosen, gepaart mit dem abrupten Führungswechsel in der Zentralbank und den anhaltenden Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der offiziellen Inflationsdaten, werfen ernsthafte Fragen über die Effektivität der gegenwärtigen wirtschaftspolitischen Strategie auf.

Politische Popularität oder wirtschaftliche Stabilität?

Die Entscheidung, den Mindestlohn vor den Kommunalwahlen im März fast zu halbieren, sowie Anpassungen bei gesetzlich regulierten Preisen trugen zusätzlich zum Inflationsdruck bei. Diese Maßnahmen zeigen ein Dilemma auf, in dem die türkische Regierung steckt: das Abwägen zwischen politischer Popularität und wirtschaftlicher Stabilität.

In dieser kritischen Phase des Kampfes gegen die Inflation könnte der jüngste Personalwechsel an der Spitze der türkischen Zentralbank weitere Unsicherheiten schüren. Der neue Gouverneur, Fatih Karahan, ein erfahrener Ökonom, steht vor der schwierigen Aufgabe, die Kontinuität der Geldpolitik zu gewährleisten und das Vertrauen der Finanzmärkte in die türkische Wirtschaft wiederherzustellen.