Türkische Lira auf einem Tisch. Auch wenn sich die wirtschaftliche Lage der Türkei im Vergleich zu Beginn des Jahrhunderts verbessert hat, spitzt sich die Situation in einigen Familien zu, sodass manche offenbar keinen anderen Ausweg mehr sehen, als sich das Leben zu nehmen. Foto: shutterstock
Die türkische Lira gerät ungebremst von einem Rekordtief ins nächste. Wenn Präsident Erdoğan die Währung retten will, muss er einen unliebsamen wie unwahrscheinlichen Weg gehen: sein Scheitern eingestehen.

Rekordtief nach Rekordtief: Die türkische Währung ist in dieser Woche wieder einmal eingebrochen. Nach Monaten, in denen der Kurs stabil blieb, gab er trotz verzweifelter Maßnahmen der Banken des Landes wieder nach. In der Nacht zum Montag sank der Wert der Lira zum Dollar auf 7,4084 Lira und lag damit so niedrig wie noch nie. Der Euro erreichte mit 8,7217 Lira einen neuen Spitzenwert.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan blieb ruhig. Währungsschwankungen „passieren immer wieder, so etwas kommt und geht“, sagte er. Fakt ist aber, dass die hohe Inflation und die unsichere Lage für ausländische Geldgeber in der Türkei die Währung weiter in die Knie zwingen. Der Konflikt mit Griechenland verstärkt die schwierige Lage der Währung.

Fehlende Touristen, fehlerhafte Geldpolitik

Hinzu kommt das Leistungsbilanzdefizit: Die Türkei importiert viel mehr als sie exportiert. Außerdem machen die ausbleibenden Geldströme in die Tourismusbranche durch die coronabedingte Urlauberflaute der Wirtschaft des Landes zu schaffen.

Die volatile Währung ist aber auch das Ergebnis einer fehlerhaften Geldpolitik. Jüngst ersetzte der türkische Präsident den Chef der türkischen Zentralbank Murat Çetinkaya mit seinem bisherigen Vize Murat Uysal, der als Befürworter einer lockeren Geldpolitik gilt. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das kein gutes Zeichen.

Experte warnt vor Abwärtsspirale

Ulrich Leuchtmann, Devisenanalyst der Commerzbank, warnte im Handelsblatt: „Eine neue Lira-Krise dürfte die türkische Volkswirtschaft nicht mehr so verkraften. Die Probleme sind größer geworden. Diesmal droht eine Spirale aus Lira-Abwertung und zunehmende Bilanz-Probleme der Haushalte und Unternehmen.“

Dabei ist die Lira-Krise nicht alternativlos. Eine simple Erhöhung des Leitzinssatzes könnte die schwächelnde Wirtschaft des Landes stützen. Der Leitzins bestimmt die Bedingungen, zu denen sich Kreditinstitute bei Noten- und Zentralbanken Geld beschaffen können. Das hat direkten Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung im Land. Das führt zu einer steigenden Kreditvergabe und zunehmendem Konsum einher. Beides ist unabdingbar, um die Inflation im Land einzudämmen. Die Türkei und die Lira wären damit wieder attraktiver für Investoren aus dem Ausland.