Gesellschaft Kolumnen

Juden und Muslime: Ein besonderes Zeichen in schwierigen Zeiten

  • Juni 22, 2026
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Juden und Muslime: Ein besonderes Zeichen in schwierigen Zeiten

Der Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 hat auch das Verhältnis zwischen Juden und Muslimen in Deutschland belastet. Doch zahlreiche Initiativen und persönliche Freundschaften zeigen, dass Dialog, Respekt und Zusammenarbeit weiterhin möglich sind. Ein Blick auf Beispiele gelebten Miteinanders macht Mut und zeigt Wege aus der Polarisierung auf. Ein Kommentar von Ercan Karakoyun.

Die Belastung, die der 7. Oktober auch in Deutschland für das Verhältnis zwischen Muslimen und Juden bedeutet, ist in traditionellen und sozialen Medien allgegenwärtig. Dazu kommen politische Akteure, die von Hass und Distanz profitieren und deshalb gar kein Interesse daran haben, dem Konflikt entgegenzuwirken.

Ein umso schönerer Lichtblick kommt deshalb von der Bertelsmann Stiftung. Unter dem Titel „Zusammenhalt in Krisenzeiten – Jüdisch-muslimische Freundschaften in Frankfurt am Main“ hat Dr. Arndt Emmerich kürzlich ein gutes Dutzend an Positivbeispielen für ein gelingendes Zusammenleben zusammengetragen.

Normalität zwischen Juden und Muslimen, die Mut macht

Vom „Bildungswerk Maimonides“ in Rheinland-Pfalz über die Initiative „Wir sind alles Frankfurter e. V.“ (WSAF) bis hin zum interreligiösen Ehepaar, das als „Muslimisch-jüdisches Abendbrot“ auftritt: Die Broschüre zeigt eine Normalität zwischen Juden und Muslimen, die Mut macht.

In Zeiten, in denen andere Öl ins Feuer gießen, lassen es Menschen aus der jüdischen und muslimischen Community nicht zu, dass die Politik in ihren Alltag eindringt. Sie sehen ihren Mitmenschen statt eines Feindbildes, und sie bauen Brücken, wo andere sie einreißen.

All diese Menschen geben ein Beispiel an Respekt, Toleranz, Empathie, kosmopolitischer Überzeugung und Dialogbereitschaft. Sie arbeiten gemeinsam daran, ihre Begegnungsstätte, ihren Stadtteil, ihre soziale Einrichtung oder ihr Bildungsprojekt stetig besser zu machen und vorzuleben, dass die Zukunft dem friedlichen Miteinander gehört.

Was wir brauchen, ist ein Austausch, das Vertrauen schafft

Was die Menschen, die in der Broschüre der Bertelsmann Stiftung vorgestellt werden, vorleben, ist auch das, was sich Hizmet, auch bekannt als Gülen-Bewegung, als Modell für ein Miteinander vorstellt. Was wir brauchen, ist ein Austausch, ist ein gemeinsames Handeln, das Vertrauen schafft – denn wo Vertrauen ist, haben Demagogen einen schweren Stand.

Auch Hizmet legt deshalb großen Wert auf den Dialog zwischen Juden und Muslimen, und deshalb führen auch wir eine Vielzahl an Veranstaltungen durch, in denen das wechselseitige Kennenlernen und das respektvolle Miteinander im Vordergrund stehen.

Meine mittlerweile langjährige Erfahrung zeigt: Diese Zusammenkünfte sind ungemein wertvoll. Sie helfen dabei, Brücken zu bauen, Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Vor allem schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Misstrauen und Feindbilder gar nicht erst entstehen.

Misstrauen und Feindbilder gar nicht erst entstehen lassen

Der Dialog beginnt im Kleinen. Doch die Vielzahl der Begegnungen und die positiven Impulse, die von ihnen ausgehen, entfalten Wirkung. So entsteht eine vielleicht leisere, aber widerstandsfähige Gegenkraft zu den lauten Stimmen der Radikalen. Der Weg des Dialogs ermöglicht es, gezielt geschürtem Hass entgegenzutreten und deutlich zu machen, dass wir uns als Menschen und als Gesellschaft nicht auseinanderdividieren lassen.

Wenn wir diesen Willen zum Verstehen und zum Miteinander weiter ausbauen und trotz aller Schwierigkeiten und Rückschläge an ihm festhalten, können wir weit über unsere Nachbarschaft, unsere Kommune, unser Bundesland und Deutschland hinaus ein Zeichen für Frieden und Empathie setzen. Und auch wenn die Konflikte im Nahen Osten nicht von Deutschland aus gelöst werden können, leistet jede Brücke zwischen Menschen einen Beitrag zu einer Kultur des Friedens und der Verständigung.

Kleines Nachwort: Das „Bildungswerk Maimonides“ wird im Bertelsmann-Papier zurecht als ein herausragendes Positivbeispiel für erfolgreiche Arbeit gegen Vorurteile und für interreligiöse Bildung gewürdigt. Trotzdem muss es um seine Existenz fürchten. Vor einigen Wochen hieß es in einem SWR-Bericht, dass die geplanten Kürzungen für das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ auch dessen Projekt „Kompass gegen religiösen Extremismus“ beträfen. Dieses könnte ohne die Unterstützung nicht aufrechterhalten werden.

Das Beispiel zeigt, dass es bei der Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements nicht – wie Union und AfD suggerieren – um Versorgungsposten für Gleichgesinnte geht. Im Gegenteil: Es geht darum, dass Freiwillige wichtige Dienste für die Gemeinschaft im täglichen Alltag leisten, die der Staat nicht selbst leisten kann. Das sollte man bei der Debatte nie vergessen.

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Ercan Karakoyun