Indien: Ein Künstler bemalt ein Banner vor Aschura, dem 10. Tag des ersten Monats des islamischen Kalenders, Muharram genannt, an dem weltweit dem Märtyrertod von Hussein, dem Enkel des Propheten Muhammad, gedacht wird. Straßen und Wege in vielen Teilen Kaschmirs sind mit schwarzen Fahnen und riesigen Bannern geschmückt, die an die Schlacht von Kerbela erinnern, in der Hussein getötet wurde. Foto: Idrees Abbas/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Millionen gläubige Schiiten und Aleviten sind weltweit für Feierlichkeiten des traditionellen Aschura-Fests zusammengekommen. Auch Sunniten begehen den Tag, wenn auch weniger feierlich. Der türkische Präsident besuchte ein alevitisches Versammlungs- und Kulturhaus in Ankara.

Im mehrheitlich schiitischen Iran strömten am Montag Menschenmassen auf die Straßen, wie Bilder des Staatsfernsehens zeigten. Auch im Irak, Afghanistan und Pakistan bereiteten sich Schiiten für den Höhepunkt des Fests im islamischen Trauermonat Muharram vor. Überschattet wurde Aschura in Afghanistan von Anschlägen. Nach Angaben der UN wurden am vergangenen Wochenende mehr als 120 Menschen getötet oder verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Anschläge für sich.

Aschura gilt als wichtigstes Fest im schiitischen Islam. Gläubige erinnern dabei an den Märtyrertod des von ihnen verehrten Imams Hussein, ein Enkel des Propheten Muhammad. Nach der schiitischen Überzeugung starb Imam Hussein im Jahr 680 nach Christus in der Schlacht von Kerbela. Damals waren Streitigkeiten über die rechtmäßige Nachfolge Muhammads entbrannt. Aus diesem Konflikt entstanden schließlich mit den Sunniten und Schiiten die beiden großen Strömungen des Islams, zu deren Trennung die Schlacht von Kerbela entscheidend beitrug.

Erdoğan erstmals offiziell in einem Cemevi

Während Aschura nehmen die Pilger an Trauerprozessionen teil und geißeln sich teils mit Schwertern, um an die Leiden Husseins zu erinnern. In den vergangenen Jahren kam es bei den Festen immer wieder zu schweren Anschlägen von sunnitischen Extremisten. Für einen Großteil der Schiiten hat das Fest aber auch rein gesellschaftlichen Charakter und ist Anlass für Treffen mit Familie und Freunden. Sunniten begehen den Tag meist, indem sie fasten und Aschura-Suppe zubereiten.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan besuchte am Abend erstmals in offizieller Funktion ein alevitisches Versammlungs- und Kulturhaus (Cemevi) und nahm am Fastenbrechen teil. Auch die Aleviten fasten in dieser Zeit. In den letzten Wochen war es in der Türkei vermehrt zu Anschlägen und Übergriffen auf einige Versammlungs- und Kulturhäuser der Aleviten gekommen. Der Besuch wurde daher auch als Solidaritätsbekundung ausgelegt. Obwohl in der Türkei etwa 15-20 Millionen Aleviten leben, werden diese gesellschaftlich und staatlich oft diskriminiert. In der Folge kommt es auch immer wieder zu Anfeindungen. Den negativen Höhepunkt erreichten diese im Jahr 1993.

dpa/dtj