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Panorama

Mindestens 284 Tote: Starke Erdbeben erschüttern Südosten der Türkei

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Immer wieder bebt die Erde in der Türkei, am Montagmorgen kommt es im Süden und Südosten des Landes zur schlimmen Katastrophe. Auch im benachbarten Syrien kollabieren Häuser. Die Opferzahlen steigen stündlich, allein in der Türkei sollen es bislang 284 sein.

Bei Erdbeben im Südosten der Türkei und im Norden Syriens sind am Montag mehr als 600 Menschen ums Leben gekommen. In der Türkei wurden am Morgen laut Vizepräsident Fuat Oktay 284 Opfer gezählt. Mehr als 2000 Menschen seien verletzt worden. Für Syrien nannte der stellvertretende Gesundheitsminister Ahmed Dhamirijeh im Staatsfernsehen 230 Tote und mehr als 600 Verletzte in mehreren Provinzen. Die Hilfsorganisation SAMS, die in von Rebellen kontrollierten Gegenden in Syrien arbeitet, meldete mehr als 100 weitere Todesopfer.

Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hatte am frühen Montagmorgen die Südosttürkei erschüttert. Das Epizentrum lag nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde Afad in der Provinz Kahramanmaraş nahe der syrischen Grenze. Ein weiteres Beben der Stärke 6,6 sei kurz darauf in der Provinz Gaziantep gemessen worden. Auch in anderen Regionen der Türkei sollen die Beben spürbar gewesen sein, unter anderem in Zentralanatolien und der Schwarzmeerregion.

Die AP-Grafik zeigt den ungefähren Ort eines Erdbebens am frühen Montag im Südosten der Türkei. Das Epizentrum lag nach Angaben des Geoforschungszentrums Potsdam nahe der Stadt Gaziantep unweit der Grenze zu Syrien. Demnach ereignete sich das erste Beben gegen 4.17 Uhr (Ortszeit/2.17 Uhr MEZ) in einer Tiefe von über 10 Kilometern. Foto: Associated Press Staff/AP/dpa

Stärkstes Beben in Syrien seit 1995

In Syrien stürzten der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge in zahlreichen Städten Gebäude ein. Rettungsteams versuchten in der Nacht und im Morgengrauen, Menschen aus den Trümmern zu ziehen. Der Leiter des Nationalen Erdbebenzentrums Raed Ahmed sagte laut Sana, es sei das stärkste Beben in Syrien seit 1995. Präsident Baschar al-Assad rief sein Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Videos zeigten Trümmerberge unter anderem aus der Provinz Idlib, teils kollabierten ganze Häuserreihen.

„Wir reagieren mit allem, was wir können, um diejenigen zu retten, die unter den Trümmern liegen“, sagte der Leiter der Rettungsorganisation Weißhelme, Raed Al Saleh. „Die Krankenhäuser sind überlastet mit Schwerverletzten“, sagte ein Sprecher der Organisation. Regen und Kälte erschwerten die Einsätze zusätzlich. „Wir brauchen dringend die Hilfe der internationalen Gemeinschaft“, sagte Basel Termanini, Vorsitzender der Syrian American Medical Society (SAMS), der dpa. Die Lage sei „katastrophal“.

Türkei ruft Alarmstufe vier aus

In der Türkei waren nach Angaben des Innenministers ebenfalls mehrere Provinzen betroffen. Gebäude seien eingestürzt, von mehr als 1700 ist die Rede. In Gaziantep wurde auch die historische Festung (Gaziantep kalesi) stark beschädigt. Rettungsteams aus dem ganzen Land würden zusammengezogen. Man habe zudem die Alarmstufe vier ausgerufen und damit auch um internationale Hilfe gebeten. Es sei zu insgesamt 22 teils starken Nachbeben gekommen. Das Auswärtige Amt mahnte zur Vorsicht und riet, sich an die Anweisungen der örtlichen Behörden zu halten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan schrieb auf Twitter, „wir hoffen, dass wir diese Katastrophe gemeinsam in kürzester Zeit und mit möglichst geringem Schaden überstehen“. Innenminister Süleyman Soylu bat die Menschen, nur in Notfällen zu telefonieren, um das Netz nicht zu überlasten.

Griechenland erklärte sich bereit, Rettungsmannschaften in das Erdbebengebiet im Nachbarland zu schicken. „Griechenland wird sofort helfen“, erklärte der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis. Auch die Bundesregierung und Israel wollen der Türkei humanitäre Hilfe leisten.

Scholz und Baerbock kündigen rasche Hilfe an

„Deutschland wird selbstverständlich Hilfe schicken“, schrieb Scholz (SPD) auf Twitter und zeigte sich bestürzt angesichts der Nachrichten aus den betroffenen Gebieten. Außenministerin Annalena Baerbock versprach: „Wir werden mit unseren Partnern rasch Hilfe auf den Weg bringen.“ Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant wies Armee und Verteidigungsministerium an, entsprechende Vorbereitungen zu treffen.

Die Türkei ist immer wieder von schweren Erdbeben betroffen. Dort grenzen zwei der größten Kontinentalplatten aneinander: die afrikanische und die eurasische. Der größte Teil der türkischen Bevölkerung lebt faktisch in ständiger Erdbebengefahr.

Bei einem der folgenschwersten Beben der vergangenen Jahre kamen im Oktober 2020 in Izmir mehr als 100 Menschen ums Leben. Im Jahr 1999 war die Türkei von einer der schwersten Naturkatastrophen in ihrer Geschichte getroffen worden: Ein Beben der Stärke 7,4 in der Region um die nordwestliche Industriestadt Izmit kostete mehr als 17.000 Menschen das Leben.

dpa/dtj

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