Amasra: Rettungskräfte verladen die Leiche eines Opfers in einen Krankenwagen vor dem staatlichen Bergwerk TTK Amasra Müessese Müdürlüğü. Foto: Khalil Hamra/AP/dpa

Minenunfälle sind in der Türkei keine Seltenheit. Am Freitagabend kam es im Norden des Landes in einem Bergwerk rund 300 Meter unter der Erde zu einer verheerenden Explosion. Mindestens 15 Bergarbeiter werden noch immer in der Tiefe vermutet.

Mindestens 28 Menschen sind bei einer schweren Explosion in einem Kohlebergwerk im Norden der Türkei ums Leben gekommen. Diese jüngste Zahl teilte Gesundheitsminister Fahrettin Koca am Samstag auf Twitter mit. Demnach wurden mindestens 11 Menschen bei dem Unglück am Freitagabend in der staatlich betriebenen Mine im Bezirk Amasra am Schwarzen Meer verletzt. Das Innenministerium gehe davon aus, dass mindestens 15 Bergarbeiter nach dem Unglück in etwa 300 Metern Tiefe noch eingeschlossen seien, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Rettungskräfte der türkischen Hilfsorganisation Roter Halbmond und des Katastrophenschutzes versuchten mehr als 15 Stunden nach der Explosion, Verschüttete zu retten, wie auf Bildern des TV-Senders NTV zu sehen war. Mutmaßlich sei Grubengas in dem 300 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Ankara gelegenen Bergwerk explodiert, hatte Energieminister Fatih Dönmez gesagt. Die genaue Ursache war aber weiter unklar. Von der Mine stieg am Samstag Rauch auf. Es werde vermutet, dass es weiter brenne, berichtete NTV. Noch am Samstag wollte die Regierung eine Pressekonferenz zu dem Unglück geben.

Erdoğan besucht Unglücksort

Nach Angaben des türkischen Innenministers Süleyman Soylu befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks am Freitagabend gegen 18.15 Uhr (Ortszeit) 110 Arbeiter in der Mine, davon 49 in einem gefährdeteren tieferen Teil, wo die Grube größer ist. 58 Bergarbeiter seien bisher gerettet worden, zitierte Anadolu den Minister.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan teilte auf Twitter mit, er werde den Unglücksort am Samstag besuchen, um die Rettungsmaßnahmen zu „koordinieren“. Eine Untersuchung des Vorfalls sei eingeleitet worden. Die größte Oppositionspartei, die sozialdemokratische CHP, teilte mit, die Behörden hätten einen Bericht des Rechnungshofs aus dem Jahr 2019 ignoriert, in dem vor der Gefahr einer Grubengasexplosion in dieser Mine gewarnt worden sei.

In den vergangenen Jahren gab es mehrere schwere Minenunfälle in der Türkei, teils wegen mangelhafter Sicherheitsvorschriften. 2014 starben bei einer Explosion in einer Kohlenmine in Soma (Provinz Manisa) in der Ägäis-Region insgesamt 301 Menschen.

dpa/dtj