Benjamin Netanjahu, designierter Ministerpräsident von Israel, gibt eine Erklärung ab. Netanjahu und der türkische Staatschef Erdoğan wollen weiter an der Verbesserung der israelisch-türkischen Beziehungen arbeiten. Foto: Maya Alleruzzo/AP/dpa

Seit mehr als einem Jahrzehnt gilt das Verhältnis zwischen Israel und der Türkei als belastet. Nach einer vorsichtigen Annäherung sollen nun wieder Botschafter ausgetauscht werden.

Israels designierter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan wollen weiter an der Verbesserung der israelisch-türkischen Beziehungen arbeiten. Das teilten beide nach einem Telefonat am Donnerstag mit. In der rund zwölfminütigen Unterredung vereinbarten sie einem Sprecher Netanjahus zufolge, „eine neue Ära in den Beziehungen zwischen der Türkei und Israel einzuleiten“. Es war das erste Gespräch der beiden seit Jahren.

Nach Angaben des türkischen Präsidialamts waren sich beide einig, „die Beziehungen auf Grundlage der Achtung gegenseitiger Interessen aufrechtzuerhalten und nachhaltig zu stärken.“ Das Telefonat war demnach von Netanjahu initiiert worden, um Erdoğan nach dem Anschlag von Istanbul sein Beileid auszudrücken.

Erdoğan hofft auf „neue Ära“ mit Israel

Während einer früheren Amtszeit Netanjahus als Regierungschef war es zwischen den einst engen Bündnispartnern zum Zerwürfnis gekommen. Seit der Gaza-Krise 2018, die rund um die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem eskaliert war, hatten die beiden Länder mehrere Jahre keine Botschafter mehr im jeweils anderen Land. Erdoğan hatte Netanjahu „Nazi-Nethoden“ vorgeworfen und ihn als Kindermörder bezeichnet, Netanjahu Erdoğan als „Kurdenschlachter„. In diesem Sommer kam es dann unter der amtierenden Regierung zur Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen. Ende September traf mit Jair Lapid erstmals seit 15 Jahren ein israelischer Regierungschef mit dem türkischen Präsidenten zusammen.

Netanjahus Likud-Partei war bei der Parlamentswahl am 1. November als stärkste Kraft hervorgegangen. Am Wochenende wurde er mit der Regierungsbildung beauftragt. Falls ihm dies gelingt, wäre es für ihn das zweite Comeback auf den Posten des Regierungschefs. Derzeit laufen Koalitionsgespräche.

dpa/dtj