Menschen halten sich in der Kantine des Transitzentrums Ya-Cherson auf, das die aus der Region Cherson evakuierten Binnenflüchtlinge im Südosten der Ukraine unterstützt. Foto: --/Ukrinform/dpa

Die Kriegsparteien betonen, dass sie keinen atomaren Zwischenfall wollen – trotzdem ist eine Experten-Kommission bislang nicht zum ukrainischen AKW Saporischschja vorgedrungen. Nun warnt Erdoğan vor einer atomaren Eskalation.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat mit Blick auf das russisch besetzte Atomkraftwerk Saporischschja vor einer Nuklearkatastrophe gewarnt. „Wir wollen kein neues Tschernobyl erleben“, sagte Erdoğan laut dem Präsidialpalast am Donnerstag in Lwiw im Westen der Ukraine.

Dort hatten sich Erdoğan, UN-Generalsekretär António Guterres und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Gesprächen getroffen. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte ebenso „ernsthafte Sorge“ über die Lage am ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja geäußert.

UN-Chef: AKW-Gelände muss entmilitarisiert werden

Es sei nicht akzeptabel, das Kraftwerk in Gefahr zu bringen, betonte Scholz am Mittwochabend im brandenburgischen Neuruppin. Die Bundesregierung werde weiter darauf hinwirken, eine dramatische Situation vor Ort abzuwenden, so der SPD-Politiker. Es sei „eine ganz, ganz gefährliche Entwicklung, die da stattfinden kann“.

UN-Generalsekretär António Guterres hat erneut den Rückzug aller Truppen rund um das gefährdete ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja gefordert. „Das Gebiet muss entmilitarisiert werden“, sagte Guterres am Donnerstag nach dem Treffen in Lwiw. Die Anlage dürfe nicht im Rahmen militärischer Operationen genutzt werden.

Größtes AKW Europas

„Stattdessen ist dringend eine Einigung erforderlich, um Saporischschja als rein zivile Infrastruktur wiederherzustellen und die Sicherheit des Gebiets zu gewährleisten.“ Jede mögliche Beschädigung des AKW sei „Selbstmord“. Russland ist vor knapp sechs Monaten in die Ukraine einmarschiert.

Russische Einheiten eroberten das südukrainische Atomkraftwerk Saporischschja bereits Anfang März. Kiew und Moskau werfen sich gegenseitig den Beschuss des Kraftwerksgeländes vor. Mit seinen sechs Reaktoren und einer Nettoleistung von 5.700 Megawatt ist es das größte AKW in Europa. Im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl ereignete sich 1986 das größte Atomunglück auf europäischem Boden.

dpa/dtj