Ein Zuschauer hält während eines WM-Spiels in Katar einen Becher mit der Aufschrift "Budweiser Zero" in der Hand. Im Vorfeld des Turniers gab es um das Thema Alkoholverkauf in und um Stadien einen großen Wirbel. Foto: Tom Weller/dpa

Saudi-Arabien möchte die Fußball-WM 2030 ausrichten. Während der Endrunde in Katar gibt der Sportminister Werbe-Interviews. Dabei sprach er auch über das Thema Alkohol.

Saudi-Arabien treibt seine Ambitionen voran, sich für die Austragung einer Fußball-Weltmeisterschaft zu bewerben. „Wer möchte nicht Gastgeber einer Weltmeisterschaft sein?“, fragte der saudische Sportminister Abdulaziz bin Turki al-Faisal in einem Interview des britischen Senders BBC. „Jedes Land wäre sehr gerne Ausrichter der Weltmeisterschaft.“

Allerdings ist nicht damit zu rechnen, dass in diesem Fall in dem islamisch-konservativen Königreich Alkohol verkauft wird. In einem Interview mit Sky News bejahte al-Faisal die Frage, ob es „islamfeindlich“ wäre, einem islamischen Land den Verkauf von Alkohol aufzuzwingen.

Bewerbung mit Ägypten und Griechenland?

„Die WM ist für jeden da, und wir leben in unterschiedlichen Regionen der Welt.“ Anders als im Emirat Katar ist Alkohol im benachbarten Saudi-Arabien völlig verboten. Medien zufolge denkt das Königreich intensiv darüber nach, sich zusammen mit Ägypten und Griechenland für die WM 2030 zu bewerben.

Saudi-Arabien hat sich bereits in den vergangenen Jahren zunehmend als Ausrichter internationaler Sportveranstaltungen positioniert, unter anderem von Formel-1-Rennen und Box-WM-Kämpfen. 2029 soll das von Wüste geprägte Land auch die Asien-Winterspiele ausrichten. In diesem Zusammenhang war bereits öfter die Rede von Sportswashing.

„Wenn Du diese Regel nicht befolgen kannst, dann komm nicht“

Saudi-Arabien steht damit auch in einem Wettbewerb mit Nachbar Katar, zu dem das Verhältnis angespannt ist. In Bezug auf homosexuelle Fußballfans sagte a-Faisal, dass diese auch in Saudi-Arabien willkommen seien. „Wir gehen nicht rum und fragen: Bist Du homo- oder heterosexuell?“

Es gebe jedoch in Saudi-Arabien Regeln, die jeder zu befolgen habe. Das gelte auch für Alkohol. „Wenn Du diese Regel nicht befolgen kannst, dann komm nicht.“ In Saudi-Arabien gilt eine besonders konservative Lesart des Islam. Gleichgeschlechtliche Liebe ist streng verboten.

Debatte um Mord an Khashoggi bleibt

Das Land steht generell wegen Menschenrechtsverletzungen international in der Kritik, vor allem wegen der brutalen Tötung des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi. Dieser wurde 2018 von einem Mordkommando aus Riad brutal umgebracht. Jeder in Saudi-Arabien sei von dem Mord „entsetzt“ gewesen und habe ihn verurteilt, sagte der Sportminister. Saudi-Arabien sei bei Menschenrechten nicht perfekt, habe sich aber angeblich verändert.

Wirtschaft statt Wahrheit: Erdoğan zu Besuch in Saudi-Arabien

US-Geheimdienste beschuldigen den eigentlich starken Mann in Saudi-Arabien, Kronprinz Mohammed bin Salman, für den Mord an Khashoggi verantwortlich zu sein. Der Thronfolger hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Reformen vorangetrieben, die das Land und die Gesellschaft geöffnet haben. Regierungskritiker werden aber weiter massiv verfolgt.

dpa/dtj