Ein Helfer der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA) des THW steht neben seinem Hund im Erdbebengebiet der türkischen Provinz Hatay. Die 50 THW-Helferinnen und -Helfer arbeiten 24 Stunden täglich im Schichtbetrieb. Am Samstag stellte das THW die Arbeit vorerst ein. Foto: -/THW/dpa

Das österreichische Militär setzt seine Rettungsarbeiten nach dem Erdbeben in der Türkei nach einer Unterbrechung nun mit türkischem Militärschutz fort. Anders ist es beim Technischen Hilfswerk.

Die türkische Armee habe den Schutz der Soldatinnen und Soldaten der Katastrophenhilfseinheit übernommen, twitterte der Sprecher des österreichischen Bundesheers am Samstagnachmittag. Österreich ist seit Dienstag mit 82 Militärangehörigen in der türkischen Provinz Hatay im Einsatz.

Oberstleutnant Pierre Kugelweis hatte der Nachrichtenagentur APA am Samstagmorgen gesagt, die Suche nach Überlebenden sei wegen Sicherheitsrisiken unterbrochen worden. „Es gibt zunehmend Aggressionen zwischen Gruppierungen in der Türkei. Es sollen Schüsse gefallen sein“, sagte Kugelweis. „Wir würden gerne weiterhelfen, aber die Umstände sind, wie sie sind.“

Bei konkreten Hinweisen will das THW-Team hinausfahren

Das Technische Hilfswerk (THW) und die Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany haben hingegen aus Angst vor möglichen Tumulten ihre Rettungsarbeiten im Erdbebengebiet vorerst eingestellt. In den vergangenen Stunden habe sich nach verschiedenen Informationen die Sicherheitslage in der Region Hatay geändert, teilten die Organisationen am Samstag mit. „Es gibt zunehmend Berichte über Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppierungen, auch Schüsse sollen gefallen sein“, hieß es vom THW.

Dennoch hieß es von Seiten des THW: „Unsere Einsatzkräfte haben von den Tumulten bisher nichts mitbekommen.“. Ein I.S.A.R-Sprecher teilte mit: „Nach unseren Informationen richten sich die Aggressionen nicht gegen deutsche Helfer.“ Es habe bisher keine Bedrohungslage gegeben.

Such- und Rettungsteams bleiben demnach vorerst im gemeinsamen Basislager in der Stadt Kırıkhan. Wenn es einen konkreten Hinweis gebe, dass man jemand lebend retten könne, werde man aber dennoch hinausfahren, sagte die THW-Sprecherin Katharina Garrecht vor Ort der Deutschen Presse-Agentur. Am Samstagabend kam es tatsächlich zu einem Einsatz. Dabei konnte eine 88-jährige Frau, die über 120 Stunden nach den Erdbeben verschüttet war, gerettet werden.

Tumulte gehören zum „normalen Prozess“

Bei Großschadenslagen wie einer Erdbeben-Katastrophe gebe es erfahrungsgemäß verschiedene Phasen, betonte der I.S.A.R.-Sprecher. „Derzeit sind wir in jener Phase, in der die Hoffnung auf Überlebende unter den Trümmern immer geringer wird. Aus diesem Grund schlägt diese bei den Menschen bisweilen in tiefe Trauer und manchmal in Wut über ihre persönlichen Verluste um.“ Hinzu kämen Schwierigkeiten bei Wasser- und Nahrungsmittelversorgung, die die Betroffenen belasteten und zum Teil frustrierten. I.S.A.R-Einsatzleiter Steven Bayer sagte: „Es ist festzustellen, dass die Trauer langsam der Wut weicht.“ Das sei allerdings eine Entwicklung, die in allen Katastrophengebieten der Welt vorkomme, wird er in einem Videobeitrag des BR zitiert.

Laut THW handelten die deutschen Helfer in Abstimmung mit dem türkischen Katastrophenschutz Afad. Sobald dieser die Lage als sicher einstufe, werde man die Arbeit wieder aufnehmen.

Türkischer Innenminister schäumt vor Wut

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu warf den Rettungskräften aus Deutschland und Österreich Verleumdung vor. Es stimme nicht, dass es eine verschärfte Sicherheitslage gebe.

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Teams aus anderen Ländern wie Mexiko setzten dem Vernehmen nach ihre Arbeiten fort. Offenbar schätzen sie die Sicherheitslage anders ein als die Deutschen und die Österreicher – oder sind aus dem eigenen Land ähnliche Zustände gewöhnt.

dpa/dtj