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Panorama

Türkei: Erde bebt jetzt auch in Zentralanatolien – Hunderte kommen temporär nach Deutschland

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Die Erde kommt in der Türkei nicht zur Ruhe. Nachwirkungen haben die starken Erdstöße von Anfang Februar auch für Bauverantwortliche, die offenbar geltende Regularien missachteten. Und bei den erhofften Visa-Vergaben durch Deutschland gibt es nun Fortschritte.

Fast drei Wochen nach der Erdbebenkatastrophe an der türkisch-syrischen Grenzregion kommt die Erde in der Türkei und auch in Syrien nicht zur Ruhe. Am Samstagmittag (13.27 Uhr Ortszeit) traf ein Beben der Stärke 5,3 die zentralanatolische Provinz Niğde in der Türkei, wie die Erdbebenwarte Kandilli mitteilte. Das Epizentrum lag demnach im Bezirk Bor, rund 300 Kilometer entfernt vom Epizentrum der Beben vom 6. Februar 2023. Kurz zuvor hatte es nach Angaben der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD mehrere Beben der Stärke 4 gegeben. In Niğde wurden nur leichte Schäden an Gebäuden gemeldet, Angaben zu möglichen Opfern gab es zunächst nicht.

Von syrischen Stellen wurden innerhalb von 24 Stunden insgesamt mehr als 60 Nachbeben erfasst, wie das Erdbebenzentrum des Landes am Samstag mitteilte. Die Phase der Nachbeben könne noch zwei Jahre andauern, teilte AFAD mit. Am 6. Februar hatten zwei Beben der Stärke 7,7 und 7,6 die Südosttürkei und den Nordwesten Syriens erschüttert. Darauf folgten nach türkischen Angaben bereits mehr als 9000 Nachbeben.

Die Zahl bestätigter Todesopfer in den beiden Ländern stieg inzwischen auf mehr als 50.000. Für Istanbul ist diese Zahl eine Vorwarnung: Experten halten ein Beben dort mit einer Magnitude von bis zu 7,4 für überfällig. Nötig sei ein schnelles Bauprogramm für mehr Erdbebensicherheit im Wert von etwa 30 bis 40 Milliarden Dollar, sagte Istanbuls Bürgermeister Ekrem İmamoğlu. „Der Betrag ist dreimal so hoch wie das Jahresbudget der Stadt Istanbul, aber wir müssen bereit sein, bevor es zu spät ist.“ Kürzlich waren bereits fast 100 Schulgebäude aufgrund von Baurisiken geschlossen worden, die nun erdbebensicher gemacht werden sollen.

Angst und Unsicherheit in Istanbul – Proteste im Stadion von Fenerbahçe

Die Region Istanbul ist Teil des Nordanatolischen Verwerfungssystems, einer großen tektonischen Plattengrenze, die für zerstörerische Erdbeben mit vielen Opfern bekannt ist. In der Metropole leben nach offiziellen Angaben 16 Millionen Menschen, nach inoffiziellen Schätzungen sogar 20 Millionen. Es gebe rund 1,6 Millionen alte, nicht erdbebensicher gebaute Gebäude, hatte Nusret Suna von der Istanbuler Bauingenieurskammer kürzlich gesagt.

Die Behörden hätten versäumt, alte Häuser erdbebensicher zu sanieren, hatte Suna kritisiert. Und selbst nach 1999 gebaute Gebäude seien trotz seither geltender Regularien oft nicht sicher, weil diese aus Profitgier häufig missachtet würden. Mit entsprechend katastrophalen Folgen sei bei einem starken Beben für Istanbul zu rechnen. Wenig überraschend wächst der Unmut innerhalb der Bevölkerung. Im Fußballstadion von Fenerbahçe kam es am Samstag zu Protestrufen gegen die türkische Regierung. Fans forderten mehrmals lautstark ihren Rücktritt.

Der türkische Justizminister Bekir Bozdağ teilte mit, dass bisher mindestens 184 Menschen unter Verdacht fahrlässigen Handelns in Bezug auf bei den Erdbeben eingestürzte Gebäude festgenommen worden seien. Unzählige Bauten hatten den verheerenden Erdbeben nicht standgehalten. Nach Angaben der türkischen Regierung wurden mehr als 173.000 Gebäude in 11 Provinzen des Landes zerstört. Fast zwei Millionen Menschen hätten ihr Obdach verloren. Kritik wurde laut, die Einhaltung geltender Baustandards sei oft nicht kontrolliert worden. Auch ein AKP-Politiker wurde festgenommen. Die Regierung gab bekannt, dass in Kürze neue Wohnungen entstehen sollen.

429 Visa für Türken und Syrer

Indes hat Deutschland für die Erdbebenopfer aus der Türkei und Syrien seit Mitte Februar bis Freitag Hunderte Visa ausgestellt. Dabei handele es sich um 429 Schengen-Visa für Aufenthalte bis zu 90 Tagen sowie 99 Visa für den dauerhaften Aufenthalt in Deutschland im Rahmen des Familiennachzugs, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). Die Bundesregierung hatte das Verfahren nach der Naturkatastrophe angekündigt.

„Mama nach Deutschland holen“ – Frust und Ungeduld nach Erdbeben

Es richtet sich an Betroffene in Syrien und der Türkei. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, zeitweilig bei Angehörigen in Deutschland unterzukommen. Das Vorhaben wurde teils kritisiert, weil trotz des Versprechens eines unbürokratischen Verfahrens zum Beispiel ein gültiger Pass und ein biometrisches Foto benötigt werden.

dpa/dtj

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