Im Fokus: Lloyd Austin, Verteidigungsminister der USA. Foto: Andrew Harnik/AP/dpa

Die USA haben sich besorgt über eine mögliche neue Bodenoffensive der Türkei in Nordsyrien gezeigt. Man lehne eine neue türkische Operation entschieden ab, sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin nach einem Gespräch mit seinem türkischen Amtskollegen.

Jüngste Luftangriffe hätten dort bereits die Sicherheit von US-Personal direkt gefährdet. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar erklärte in dem Gespräch nach Darstellung Ankaras, Ziel des Vorgehens seien „einzig Terroristen“. Seit knapp zwei Wochen geht die Türkei im Nordirak und in Nordsyrien mit Luftangriffen gegen die YPG und die PKK vor.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte zudem eine Bodenoffensive angekündigt. Ankara macht die YPG und PKK für den Anschlag in Istanbul Mitte November verantwortlich. Beide Gruppen, die von der Türkei als Terrororganisation eingestuft werden, hatten dies zurückgewiesen. Die USA kooperieren in Syrien unter anderem mit der YPG und anderen Milizen im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Bodenoffensive würde „Region destabilisieren“

Entsprechend groß ist die Sorge, dass die Kurdenmilizen sich bei einer türkischen Offensive zurückziehen und der IS dadurch erstarken könnte. Eine Bodenoffensive würde „hart erkämpfte Gewinne, die die Welt gegen den IS errungen hat, ernsthaft gefährden und die Region destabilisieren“, sagte Pentagonsprecher Pat Ryder vor einigen Tagen.

Was hinter den türkischen Plänen zur Syrien-Offensive steckt

Die Türkei hat seit 2016 bereits vier Militäroffensiven in Nordsyrien durchgeführt. Nach Einschätzung der Stiftung Wissenschaft und Politik will die Türkei mit ihrer militärischen Übermacht nicht die „kurdische Frage“ entlang ihrer Grenzen klären, sondern die „gesamte politische und militärische Bewegung der Kurden zerschlagen“. Ankara stört sich an der Behauptung einiger Länder, wonach das türkische Militär „Kurden“ bekämpfe. Zugleich ist aber auch klar, dass der türkische Staat einen neuen, von Kurden gegründeten Staat an der türkischen Grenze mit allen Mitteln zu verhindern versucht.

Die Türkei rechtfertigt ihr Vorgehen daher mit „terroristischer Bedrohung“ für das Land aus Syrien und dem Irak. Tatsächlich nutzen PKK-Kader die Nachbarländer als Rückzugsort. Russland, im syrischen Bürgerkrieg wichtigster Verbündeter von Präsident Baschar al-Assad, hatte von der Türkei zuletzt ebenfalls Zurückhaltung gefordert.

dpa/dtj