Kemal Kılıçdaroğlu im Interview mit Fox TV. Erstmals sendete der CHP-Chef auch deutliche Signale für seine Kandidatur bei den Wahlen im kommenden Juni. Foto: Screenshot/Fox TV

Die hohe Inflation in der Türkei steigt weiter an. Doch um wie viel sie genau steigt, sorgt im Land für Diskussionen.

Die jährliche Teuerung lag laut dem nationalen Statistikamt TÜIK im August bei 80,21 Prozent. Die unabhängige Untersuchungsgruppe ENAG hingegen kommt auf den Wert von 181,37 Prozent.

Die Lebensmittelpreise stiegen im Jahresvergleich im Schnitt um mehr als 90 Prozent. Im Juli hatten die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 79,6 Prozent (ENAG: 176,07 Prozent) höher gelegen. Auf Monatssicht stiegen die Verbraucherpreise im August um knapp 1,5 Prozent (ENAG: 5,86 Prozent).

CHP-Chef Kemal Kılıçdaroğlu stufte die Inflationsdaten von ENAG im TV-Interview mit Fox TV als „korrekt“ ein: „Die Bürger sehen es, während sie ihre Rechnungen bezahlen, sie sehen es, wenn sie Holz und Kohle kaufen.“ Er kritisierte auch das nationale Statistikamt. „Das Statistikamt muss bei dieser Berechnung erläutern, mit welchen Daten sie zu diesem Ergebnis kommt“, sagte der potentielle Präsidentschaftskandidat der Opposition. Der sogenannte „6er-Tisch“ will sich demnächst auf seinen Kandidaten festlegen.

Ungewöhnliche Zinspolitik führt bislang nicht zum Erfolg

Die Inflation in der Türkei wird durch mehrere Faktoren getrieben. Seit längerem sorgt die schwache Landeswährung Lira für Preisauftrieb, da sie in die Türkei importierte Güter wechselkursbedingt verteuert. Hinzu kommen Probleme in den internationalen Lieferketten, die Vorprodukte teurer machen. Daneben steigen die Preise von Energie und Rohstoffen, vor allem wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine.

Anders als viele andere Zentralbanken stemmt sich die türkische Notenbank gegen die Entwicklung jedoch nicht mit Zinsanhebungen. Im August hatte die Zentralbank den Leitzins stattdessen sogar von 14 auf 13 Prozent gesenkt. Fachleute verweisen auf politischen Druck.

dtj/dpa