Zwischen Exil und Hoffnung: Türkischer Einwandererfilm „Gazelle“ startet US-Tour
Der preisgekrönte Independent-Film „Gazelle“ hat im kalifornischen Orange County seine Nordamerika-Tournee gestartet. Das türkisch-amerikanische Drama erzählt die Geschichte eines Musiklehrers, der nach politischen Spannungen in der Türkei illegal in den USA lebt – und thematisiert Migration, Exil, Angst und Hoffnung in einer Zeit verschärfter Debatten über Einwanderung.
Im Cinemark Century Kino im kalifornischen Orange County begann am vergangenen Freitag die erste Tournee des 2025 produzierten Independent-Films „Gazelle“. In den kommenden Wochen wird er in mehreren weiteren Städten und Filmpalästen der USA und Kanadas gezeigt. Der Film, der bereits den Publikumspreis beim Vancouver-Festival und einen Branchenpreis in New York gewonnen hat, streift gleich mehrere Themen von augenfälliger Aktualität.
„Gazelle“ erzählt die Geschichte des türkischen Musiklehrers Yakup, der von Nadir Sarıbacak gespielt wird. Yakup flieht vor den politischen Turbulenzen in der Türkei in die USA, wobei er mit einem Touristenvisum einreist und anschließend eigenmächtig seinen Aufenthalt verlängert.
Titel geht auf Erzählung eines afroamerikanischen Imams zurück
Damit wird sein Aufenthalt in den USA illegal – und das in der Zeit einer gnadenlosen Jagd der Behörden auf Menschen ohne Aufenthaltstitel. Zudem muss Yakup sich eine Existenzgrundlage schaffen und er hofft, eines Tages Frau und Tochter in die Vereinigten Staaten nachzuholen.
Realistisch und ohne jede Schönfärberei schildert der Film die Existenzängste, den Druck und die moralischen Konflikte des türkischen Einwanderers. Er erzählt die Geschichte eines Lebens, das von Schwarzarbeit, schlechten Wohnverhältnissen, Angst, Zwangslagen und der Belastung durch das Fehlen der Familie gekennzeichnet ist.
Der Titel des Films geht auf eine Geschichte zurück, die Drehbuchautor Ayhan Hulagu in einem sozialen Medium gelesen hat. Ein afroamerikanischer Imam postete eine Geschichte über eine trächtige Gazelle, die trotz Bedrohung und Ausweglosigkeit ihren Fokus auf die Geburt ihres Jungen richtet. Diese Erzählung, so erläutern Hulagu und Sarıbacak in einem Interview mit „Moviemaker“, habe ihnen selbst in schwierigen Lebensphasen Hoffnung gegeben. Sie bilde nun das emotionale Rückgrat des Films.
Führende Beteiligte an der Produktion selbst aus der Türkei in die USA geflüchtet
Sowohl die Drehbuchautoren Hulagu und Sarıbacak als auch Samy Pioneer, der mit dem Zweitgenannten zusammen Regie führte, haben selbst Migrationserfahrung. Sie alle haben zu unterschiedlichen Zeitpunkten die Türkei in Richtung USA verlassen. Im Fall von Sarıbacak war politischer Druck verantwortlich, der sich nach dem Putschversuch von 2016 gegen kritische Bürger und insbesondere Anhänger der Gülen-Bewegung richtete.
Aus diesem Grund beruhen zahlreiche Begebenheiten, die in dem Film zur Sprache kommen, auf eigenen Erfahrungen. Dazu kommen Berichte anderer türkischer Einwanderer in die USA. In Interviews äußern sich die Beteiligten an „Gazelle“ auch zu aktuellen Fragen. Sarıbacak und Hulagu zeigen sich besorgt über aktuelle Entwicklungen in den USA. Allerdings unterstrichen sie auch ihr Vertrauen in die Verfassung der Vereinigten Staaten und den jahrhundertelangen Schutz individueller Freiheiten, den diese gewährleistete.
„Gazelle“ lief seit seiner Premiere beim Vancouver International Film Festival auch auf zahlreichen weiteren namhaften Veranstaltungen. Darunter waren das Chicago International Film Festival ebenso wie das Dances With Films: New York und das Sedona International Film Festival. Kritiker beschrieben „Gazelle“ als zurückhaltendes, realistisches Flüchtlings- und Einwandererdrama. Lob gab es insbesondere für Sarıbacak als Hauptdarsteller und für die nüchterne, wenig sentimentale Erzählweise. Mehrere Rezensionen sahen den Film auch als Beitrag zur aktuellen Debatte über Migration, Exil und Integration in den Vereinigten Staaten.



