Politik Technik

Ankara sicher: Griechenland nutzt Iran-Krieg für andere Zwecke aus

  • März 11, 2026
  • 5 min read
  • 5 Views
Ankara sicher: Griechenland nutzt Iran-Krieg für andere Zwecke aus

Der Iran-Krieg verschärft auch den Streit zwischen Griechenland und der Türkei. In Ankara wächst das Misstrauen, weil Athen seine Luftabwehr und Militärpräsenz in strategisch sensiblen Regionen ausbaut.

Der Krieg im Nahen Osten verschärft nicht nur die Sicherheitslage im östlichen Mittelmeer, sondern belebt auch den alten Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei neu. In Ankara wächst die Sorge, Athen nutze die angespannte regionale Lage, um seine militärische Präsenz in strategisch sensiblen Gebieten auszubauen.

Griechen verstärken militärische Präsenz

Auslöser der jüngsten Spannungen sind mehrere griechische Verlegungen von Luftabwehrsystemen und Kampfflugzeugen. Griechenland hat Patriot-Raketen an verschiedenen Punkten seines Territoriums neu positioniert und seine militärische Präsenz in der Ägäis sowie rund um Zypern verstärkt. Offiziell begründet die Regierung in Athen diese Maßnahmen mit möglichen Bedrohungen aus dem Nahen Osten, insbesondere durch Raketen oder Drohnen aus dem Umfeld des Iran und der libanesischen Hisbollah.

In der Türkei wird diese Argumentation jedoch nicht ohne Weiteres akzeptiert. Dort dominiert der Eindruck, dass die griechischen Schritte weit über reine Vorsorge hinausgehen. Vor allem die Stationierung von Patriot-Systemen auf Inseln in der Ägäis trifft in Ankara einen empfindlichen Nerv. Seit Jahrzehnten streiten beide NATO-Staaten über Hoheitsrechte, militärische Zuständigkeiten und den Status zahlreicher Inseln im östlichen Mittelmeer.

Griechischer F-16 in nördlicher Ägäis

Besonders brisant ist aus türkischer Sicht die Lage auf Karpathos. Ankara zählt die Insel zu jenen Gebieten, deren militärische Aufrüstung nach türkischer Lesart internationalen Vereinbarungen widerspricht. Die Regierung beruft sich dabei auf ältere Verträge wie den von Lausanne, die mehreren Inseln einen entmilitarisierten Status zuschreiben. Griechenland wiederum verweist auf das Recht auf Selbstverteidigung und erklärt, angesichts der regionalen Eskalation sei eine stärkere Absicherung unverzichtbar.

Türkei-Nachbar Griechenland rüstet weiter auf

Für die Türkei ist der Fall nicht nur juristisch, sondern vor allem strategisch bedeutsam. Karpathos liegt in der Nähe türkischer Luftwaffen- und Marinestandorte. Dass dort nun griechische Luftabwehr ausgebaut wird, wird in Ankara als sicherheitspolitisches Signal verstanden. Ähnlich aufmerksam verfolgt die türkische Seite die Verlegung griechischer F-16 nach Limnos, einer Insel mit hoher Bedeutung für die Kontrolle der nördlichen Ägäis und der Zugänge zu den Meerengen.

Vorfälle im Ägäis-Luftraum

Die türkische Regierung reagierte prompt. Das Verteidigungsministerium kündigte an, Kampfflugzeuge nach Nordzypern zu entsenden. Offiziell dient dieser Schritt dem Schutz der türkischen Zyprer. Tatsächlich sendet Ankara damit aber auch ein deutliches Zeichen: Die Türkei will in der aktuellen Lage weder militärisch noch politisch an Einfluss verlieren.

Parallel dazu nehmen auch die praktischen Reibungen zwischen beiden Ländern wieder zu. Nach griechischen Angaben häuften sich zuletzt Vorfälle im Luftraum über der Ägäis, bei denen türkische Militärmaschinen und Drohnen in Zonen operierten, die Athen als eigenen Kontrollbereich betrachtet. Auch auf See kam es zu einem Zwischenfall, als ein türkisches Kriegsschiff ein unter griechischem Schutz arbeitendes Spezialschiff aufforderte, seine Arbeiten an einem Datenkabel einzustellen.

Neue Eskalationsspirale?

Erst nach dem Eingreifen der griechischen Marine konnte das Vorhaben fortgesetzt werden. Für Ankara fügt sich all das zu einem beunruhigenden Gesamtbild. Aus türkischer Perspektive wird der Krieg in der Region zum Anlass für eine neue militärische Realität in der Ägäis und rund um Zypern. Damit droht ein Konfliktfeld, das in den vergangenen Monaten zumindest teilweise eingehegt schien, erneut an Schärfe zu gewinnen.

Wegen der Türkei: Israel vertieft Bündnis mit Griechenland und Zypern

Während Griechenland seine Maßnahmen als defensiv darstellt, sieht die Türkei darin einen Versuch, bestehende Streitfragen unter dem Eindruck einer internationalen Krise zu ihren Ungunsten zu verschieben. Die Gefahr besteht nun darin, dass aus beiderseitiger Abschreckung neue Eskalationsspiralen entstehen — in einer Region, die bereits durch den Iran-Krieg unter erheblichem Druck steht.

Erdoğan telefoniert mit iranischem Präsidenten

Indes verstärkt die Türkei nach dem Abschuss zweier Raketen, die nach Einschätzung der NATO aus dem Iran kamen, ihre Luftabwehr. Im Rahmen entsprechender Maßnahmen der NATO werde ein Patriot-Raketenabwehrsystem in der osttürkischen Provinz Malatya für den Einsatz vorbereitet, teilte das Verteidigungsministerium in Ankara mit. Am Montag hatte die Türkei das zweite Mal innerhalb einer Woche eine Rakete abgefangen, die Ankara zufolge vom Iran auf das Staatsgebiet des NATO-Mitglieds abgefeuert worden war. Einige Trümmer fielen nach offiziellen Angaben auf freies Gelände im südtürkischen Gaziantep nahe der Grenze zu Syrien.

Bereits in der vergangenen Woche hatte ein NATO-Abwehrsystem in der türkischen Grenzregion zum Iran eine ballistische Rakete abgefangen, deren Trümmer in der Provinz Hatay auf eine freie Fläche fielen. In beiden Fällen kam niemand zu Schaden. In einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan dementierte der iranische Präsident Massud Peseschkian, dass die abgefangenen Raketen iranischen Ursprungs seien, wie Ankara mitteilte.

Mit dpa-Material

About Author

Stefan Kreitewolf