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Politik

Drei Wochen später: Erdoğan entschuldigt sich erstmals

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Drei Wochen nach den schweren Erdbeben hat der türkische Präsident Erdoğan um Vergebung gebeten. 

Der Druck auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan nimmt zu. In Adıyaman, das zu den elf vom Jahrhundertbeben betroffenen Provinzen zählt, sagte er, habe man in den ersten Tagen nach den Erdbeben nicht die Arbeit geleistet, die man habe leisten wollen. Er bat daher um Vergebung (türk. „helallik“).

Nicht nur wegen der mangelhaften Vorbereitung auf ein mögliches Erdbeben in der Region wird die Regierung von Experten kritisiert, sondern auch wegen der Organisations- und Koordinationsschwächen in den Tagen nach der Katastrophe. In seinen ersten Erklärungen hatte Erdoğan noch diejenigen, die sich in dieser Richtung äußerten, unter anderem als „unehrenhaft“ getadelt. Am Wochenende wurde bekannt, dass die Katastrophenschutzbehörde AFAD eigentlich kostenlose Zelte an die Hilfsorganisation „Ahbap“ verkauft habe. Ahbap bestätigte das inzwischen, regierungskritische Medien sprechen von einem Skandal.

Türkei: Zahl der Todesopfer steigt auf 44.374 

Die Zahl der durch die Erdbeben zu Tode gekommenen Menschen ist in der Türkei inzwischen auf 44.374 gestiegen. Das teilte der Chef der Katastrophenschutzbehörde, Yunus Sezer, am Sonntag in Ankara mit. Aus Syrien wurden zuletzt 5900 Tote gemeldet. Diese Angabe ist jetzt aber schon mehr als eine Woche alt.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte, die ausländischen Such- und Rettungsteams seien nun zum großen Teil abgereist. Noch immer gingen aber Helfer aus dem In- und Ausland Hinweisen auf vermisste Menschen nach.

Am 6. Februar hatten zwei Beben der Stärke 7,7 und 7,6 die Südosttürkei und den Nordwesten Syriens erschüttert. Darauf folgten nach türkischen Angaben mehr als 9000 Nachbeben. Nach Angaben der türkischen Regierung sind rund 20 Millionen Menschen im Land von den Auswirkungen betroffen. Für Syrien gehen die Vereinten Nationen von etwa 8,8 Millionen Betroffenen aus.

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Verdächtige Bauherren: 184 Festnahmen 

In der Türkei sind indes Justiz-Angaben zufolge mindestens 184 Menschen unter Verdacht des fahrlässigen Handelns in Bezug auf eingestürzte Gebäude festgenommen worden. Das teilte Justizminister Bekir Bozdağ am Wochenende mit. Etliche Gebäude in der betroffenen Region waren nicht erdbebensicher gebaut worden. Kritik war laut geworden, die Einhaltung geltender Baustandards sei oft nicht kontrolliert worden.

Zu den Festgenommenen zählen vor allem Bauunternehmer. Auch der Bürgermeister des Bezirks Nurdağı in der Provinz Gaziantep, Ökkeş Kavak (AKP), sei inhaftiert, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag.

Unzählige Gebäude hatten den verheerenden Erdbeben von Anfang Februar nicht standgehalten. Nach Angaben der türkischen Regierung wurden mehr als 173.000 Gebäude in 11 Provinzen des Landes zerstört. Fast zwei Millionen Menschen hätten ihr Obdach verloren.

Reichlich spät: EU-Luftbrücke für Syrien

Als Teil einer humanitären Luftbrücke für Syrien sind derweil zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern in der Hauptstadt Damaskus gelandet. Sie lieferten unter anderem winterfeste Zelte, Ausrüstung für Unterkünfte und Heizgeräte, wie die EU-Kommission am Sonntag mitteilte. Es seien die ersten Flüge dieser Art, die in Damaskus gelandet sind, weitere sollten folgen. Sie liefern Hilfe aus EU-Lagern in Dubai sowie Brindisi in Italien für die Bevölkerung sowohl in den von der Regierung kontrollierten als auch in den nicht von der Regierung kontrollierten Gebieten.

Insgesamt werden den Angaben zufolge über diese Luftbrücke 420 Tonnen Hilfsgüter geliefert. 225 Tonnen davon im Wert von 1,1 Millionen Euro kämen aus EU-eigenen Beständen. Zusätzlich hätten Deutschland und 14 weitere europäische Länder Hilfe angeboten, nachdem Syrien den EU-Katastrophenschutzmechanismus aktiviert hatte. Insgesamt habe die EU bislang mit humanitärer Hilfe im Wert von 10 Millionen Euro auf die Erdbebenfolgen in Syrien reagiert. Mehr als 6 Millionen Euro davon seien im Rahmen laufender humanitärer Projekte umgewidmet worden.

Geberkonferenz für Mitte März geplant

Zur Unterstützung der Arbeiten in der Türkei seien 1650 Retter und 110 Suchhunde entsandt worden. Die Rettungsteams hätten ihre Arbeit mittlerweile eingestellt. Fünf medizinische Teams aus Albanien, Belgien, Frankreich, Italien und Spanien seien weiter vor Ort und hätten bereits mehr als 4000 Menschen behandelt. 20 EU-Staaten hätten Unterkünfte, medizinische Ausrüstung, Lebensmittel und Kleidung zur Verfügung gestellt.

Die EU habe 5,7 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zur Unterstützung der in der Türkei betroffenen Menschen bereitgestellt. Mitte März ist eine internationale Geberkonferenz für die Opfer der Erdbebenkatastrophe mit mehr als 50.000 Toten geplant.

dpa/dtj

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