Israelische Polizisten, die in höchster Alarmbereitschaft sind, sichern Israelis, die vor dem Flaggenmarsch zum Jerusalem-Tag durch die Altstadt ziehen. Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Unter starkem Polizeischutz hat in Jerusalem am Sonntag ein umstrittener Flaggenmarsch begonnen. Schon Stunden zuvor war es in der Altstadt zu Konfrontationen zwischen palästinensischen Gläubigen und  jüdischen Besuchern gekommen. 

Rund 2.600 Juden besuchten den Angaben zufolge bis zum Nachmittag die heilige Stätte. Einige von ihnen schwenkten israelische Flaggen und beteten – ein Verstoß gegen die Regeln. Sie wurden vom Tempelberg entfernt. Es gab nach Polizeiangaben einige Festnahmen.

Der Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der Tempelberg steht unter muslimischer Verwaltung, während Israel für die Sicherheit zuständig ist.

In Erinnerung an die Eroberung Ost-Jerusalems

Laut einer Vereinbarung mit den muslimischen Behörden dürfen Juden die Anlage besuchen, dort aber nicht beten. Aus Sorge vor einer Eskalation war Israels Polizei vor dem umstrittenen Flaggenmarsch in Jerusalem in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Der Marsch führt auch durch das muslimische Viertel der Altstadt.

Schon Stunden vor dem offiziellen Marsch liefen zahlreiche junge Israelis mit blau-weißen Flaggen durch das Viertel, es kam teilweise zu Auseinandersetzungen mit arabischen Händlern. Der Marsch findet seit Jahrzehnten jährlich am Jerusalem-Tag statt. Dabei wird die israelische Eroberung Ost-Jerusalems während des Sechstagekrieges 1967 gefeiert.

Raketenangriffe, Tote und Gewalt

Die Palästinenser sehen den arabisch geprägten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt eines eigenen Staates. Die im Gazastreifen herrschende Hamas hatte vor dem Marsch mit einer gewaltsamen Reaktion gedroht. Im vergangenen Jahr war der Flaggenmarsch am 10. Mai wegen Raketenangriffen der Hamas auf Jerusalem abgebrochen worden.

Heilige Tage nicht friedlich: Neue Konfrontationen auf dem Tempelberg

Israel griff daraufhin Ziele in dem autonomen Küstengebiet an. Während eines elftägigen Konflikts wurden damals 255 Palästinenser getötet. In Israel kamen 14 Menschen ums Leben.

dpa/dtj