Die Zerstörung der Häuser mutmaßlicher, verurteilter oder auch getöteter Terroristen ist völkerrechtlich umstritten. Menschenrechtsorganisationen lehnen die Strafmaßnahme als Kriegsverbrechen ab. Israel rechtfertigt sie hingegen als wichtige Abschreckung. In den Häusern leben in der Regel die Familien der Attentäter, die durch die Zerstörung häufig obdachlos werden.

In dem Gefängnis im Istanbuler Stadtteil Maltepe, in dem sie bislang saßen, seien ihnen unter anderem englischsprachige Bücher ausgehändigt worden, die Boduroğlu ihnen mitgebracht hatte. In Silivri sitzt auch der deutsch-türkische «Welt»-Korrespondent Deniz Yücel unter Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft.

Die Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 werden immer zahlreicher. Bis Ende Mai waren nach Angaben des Straßburger Gerichtshofs 17 630 Beschwerden eingegangen. Das sind rund 5000 mehr als vor zweieinhalb Monaten. Die Zahl steige kontinuierlich, sagte eine Sprecherin. Insgesamt zwei Drittel aller Beschwerden gegen die Türkei stünden im Zusammenhang mit dem Putschversuch.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt die Türkei zu Schadensersatzzahlungen für einen Bombenangriff auf kurdische Dörfer in den frühen Neunzigerjahren. 41 Kurden erhalten 2,3 Millionen Euro Schmerzensgeld. (Foto: reuters)