Zehn- und 20-Türkische Lira-Banknoten liegen auf einem Tisch. Foto: Pixabay

Angesichts der starken Inflation hat die Türkei den monatlichen Mindestlohn um rund 55 Prozent angehoben. Er steige zum neuen Jahr auf rund 8.500 Türkische Lira netto (rund 428 Euro), teilte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit.

In diesem Jahr hatte es bereits zwei Anhebungen gegeben. Normalerweise wird der Mindestlohn, auf den nach offiziellen Angaben rund 40 Prozent der Erwerbstätigen angewiesen sind, nur einmal im Jahr angepasst. Türk-İş, der größte Dachverband der Türkischen Industriegewerkschaften, hatte im Vorfeld 9.000 Lira gefordert und zeigte sich enttäuscht. „Leider wurden die Erwartungen der Öffentlichkeit nicht erfüllt“, teilte der Verband nach der Entscheidung mit.

Die Inflation in der Türkei war im November zwar erstmals seit mehr als einem Jahr etwas zurückgegangen, liegt aber noch immer bei rund 84 Prozent. Die massive Teuerung setzt Erdoğan wenige Monate vor den Wahlen Mitte 2023 unter Druck.

Opposition zweifelt offizielle Zahlen an

Die Opposition und die Forschungsgruppe ENAG zweifeln die offiziellen Zahlen an und gehen davon aus, dass die tatsächliche Inflation mehr als doppelt so hoch ist. Eigentlich müsste nach ökonomischer Lehrmeinung der Leitzins erhöht werden, um die Teuerung in den Griff zu bekommen.

Wie Lira-Krise und Inflation Erdoğan unter Druck setzen

Allerdings ist Erdoğan ein Gegner hoher Zinsen. Kritiker werfen ihm vor, Einfluss auf die Notenbank zu nehmen. Diese hatte den Leitzins zuletzt auf neun Prozent verringert. Am Donnerstag senkte die Zentralbank den Leitzins – wie zuvor bereits angekündigt – nicht weiter.

dpa/dtj