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Politik

Vertrauensverlust der Türkei unter Erdoğan: Misstrauen und Zweifel im Westen

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Recep Tayyip Erdoğan spricht zu Teilnehmenden einer Solidaritätskundgebung für Palästina. Foto: Emrah Gürel/AP/dpa

Schweden, Hamas, Russland: Die Politik von Staatspräsident Erdoğan sorgt im Westen für Kopfzerbrechen. Vielerorts prägen Misstrauen und Zweifel das Verhältnis zur Türkei.

Die Differenzen bei der Unterstützung der Hamas, die ambivalente Haltung im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sowie die Diskussion um Schwedens potenzielle NATO-Mitgliedschaft: Die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan (AKP) nimmt in den großen Themen der Geopolitik jüngst oft eine umstrittene Rolle ein. In der islamischen Welt wird er größtenteils verehrt und gefeiert, im Westen sitzt das Misstrauen tief – und das hat gute Gründe.

Die Türkei und ihre Unterstützung der Hamas

Ein besonders drastisches Beispiel für die jüngst zu Tage getretenen Differenzen zwischen der Türkei und ihren westlichen Bündnispartnern ist ihre Unterstützung für die Hamas im Nahost-Konflikt. Während viele westliche Länder die Hamas als extremistische Organisation betrachten, hat die Türkei wiederholt ihre Legitimität als politische Kraft betont.

Wegen Hamas: Ankara warnt Israel

Diese Haltung führte zu erheblichem Misstrauen. Außerdem nährte es die Sorge, dass die Türkei eine Agenda verfolgt, die nicht im Einklang mit den Zielen des Westens steht. Andererseits macht Ankara im Verborgenen weiterhin profitable Geschäfte mit Israel. Auf welcher Seite Erdoğan wirklich steht, bleibt im Dunkeln.

Der Russland-Ukraine-Konflikt und die Türkei

Im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine setzt sich die Türkei einerseits öffentlich für die territoriale Integrität der Ukraine ein. Gleichzeitig schloss sie Wirtschafts- sowie Militärabkommen mit Russland ab und beteiligte sich nicht an den Sanktionen gegen Moskau. Im Gegenteil: Türkische Unternehmen füllen die entstandene Lücke. Das zahlt sich auch für Erdoğan aus.

Derweil verstärkte die Debatte um Schwedens möglichen Beitritt zur NATO die Diskussion über die Zusammenarbeit innerhalb des Bündnisses. Die Türkei, die sich trotz vorheriger Zusagen und schwedischer Zugeständnisse wiederholt gegen die Aufnahme des Landes sperrte, nährt Zweifel an ihrer Integrität. So schwächt eine gewisse Entfremdung innerhalb der NATO das Bündnis in Kriegszeiten.

Ambivalenz Erdoğans auf internationaler Bühne

Dass Erdoğan nach seinem Deutschland-Besuch unlängst über seine Gesprächspartner spottete und Kanzler Olaf Scholz (SPD) vor heimischem Publikum als „den Anderen“ bezeichnete, hat indes in Berlin und anderswo für Irritationen gesorgt. Zumal der türkische Präsident zuvor freundlich und zugewandt auftrat.

Die Türkei und die NATO – Miteinander gegeneinander

Diese Ambivalenz ist es, die Erdoğan auf internationaler Bühne zunehmend unberechenbar macht. Dass er nicht längst isoliert wurde, zeigt, wie sehr der Westen auf die Hilfe eines seiner größten internen Widersacher angewiesen ist.

Anders formuliert: Die Zukunft der türkischen Außenpolitik und ihre Beziehungen zu westlichen Verbündeten bleiben von größter Bedeutung für die globale Stabilität und Sicherheit. In Washington, London und Berlin wissen sie schließlich: Einen weiteren Konfliktherd kann sich die Welt aktuell schlicht nicht leisten.