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Politik

Wirtschaft, Islam, Rohstoffe: Was sucht die Türkei in Somalia?

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Die türkische Botschaft in Somalias Hauptstadt Mogadischu ähnelt dem türkischen Präsidentenpalast in Ankara. Foto: Shutterstock

In keinem anderen afrikanischen Land ist die Türkei so aktiv wie in Somalia. Neben der großen Armut des ost-afrikanischen Landes führt die Kriminalität und Piraterie dazu, dass andere Staaten sich dort eher zurückhalten. Ankara hingegen genießt in dem muslimisch geprägten Land einen guten Ruf. Was will die Türkei am Horn von Afrika?

In einem Interview mit der Journalistin Özlem Gürses offenbart der ehemaligen türkischen General Dr. Haldun Solmaztürk Erstaunliches. Er diente viele Jahre in den Reihen des türkischen Militärs „Türk Silahlı Kuvvetleri“(TSK) in Somalia. Ihm sei es immer schleierhaft gewesen, was türkische Soldaten dort zu suchen hätten. Doch inzwischen ist er sich sicher: Bei dem Land der Clans handelt es sich um einen sicheren Hafen für korrupte türkische Politiker und Geschäftsleute.

Um seine Thesen zu untermauern, holt Solmaztürk weit aus. Somalia sei bekanntlich kein Land mit funktionierenden staatlichen Strukturen. Vielmehr sei es eine Zusammenkunft von großen Clans, die das Land periodisch regieren. Die Bevölkerung sei unterentwickelt. Das ermögliche Korruption im großen Stil und mache Vetternwirtschaft zur Normalität.

Albayraks betreiben Somalias Häfen

Solmaztürk berichtet im Gespräch von lukrativ gelegenen Häfen, die durch die Albayrak-Gruppe verwaltet würden. Die Familie Albayrak ist mit den Erdoğans verwandt und verschwägert. Berat Albayrak beispielsweise ist der ehemalige Finanzminister der Türkei sowie Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Zudem ist sein Vater, Erdoğan Albayrak, ein ehemaliges Mitglied der AKP.

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Das bietet in Somalia optimale Voraussetzungen, um mit Rohstoffen und Waffen Handel zu treiben. Vielfach gerieten die Albayraks ins Visier internationaler Ermittlungen, weil sie mutmaßliche Öl-Geschäfte mit dem sogenannten Islamischen Staat machten. Nachweise dafür fehlen bislang. Das ist wenig verwunderlich, wenn man die strategische Ausbreitung der Handelsrouten und der von ihnen kontrollierten Infrastruktur betrachtet.

Flughafen von Somalia in türkischer Hand

Auch die somalischen Flughäfen werden von der Türkei kontrolliert. Solmaztürk zufolge habe die Türkei unter Präsident Erdoğan eine Milliarde Dollar in Somalia investiert. Diese Summe addiere sich durch den Bau von Krankenhäusern, Schulen und anderen Einrichtungen. Steuergelder des türkischen Volkes, die auch in der Türkei bitter nötig gewesen wären. Vor allem vor dem Hintergrund der verheerenden Erdbeben im Februar.

Zudem habe die Türkei im Jahr 2020 die Schulden Somalias an den Internationalen Währungsfond IMF in Höhe von 3,5 Millionen Dollar beglichen. Dass nun ein Spross einer Herrscherfamilie Somalias in der Türkei negativ auffiel, ist in diesem Kontext brisant. Was war passiert? Am 6. Dezember starb der Motorradkurier Yunus Emre Göçer im Istanbuler Stadtteil Fatih. Unfallverursacher war der Sohn des Präsidenten von Somalia, Hassan Sheikh Mohamud, wie Beweisvideos belegen.

Özlem Gürses: „Sie haben Beweise vernichtet“

Für Aufsehen sorgte die Tatsache, dass er ohne Weiteres die Türkei verlassen konnte. In den sozialen Medien wuchs die Empörung. Vielfach hieß es, dass ausländische Personen mehr Rechte hätten als türkische Staatsbürger. Die Journalistin Özlem Gürses legt in ihrem YouTube-Kanal nach. In einer Aufarbeitung des Vorgangs schildert sie, der Familie Göçers habe man zunächst erzählt, dass es sich um Selbstmord handele.

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Beweise seien vernichtet worden. Dem somalischen „Prinzen“ habe man angeraten, schnell das Land zu verlassen. Und sofort habe es dazu Gespräche von türkischen Regierungsvertretern mit dem somalischen Präsidenten gegeben. Doch der tödliche Unfall ist kein Einzelfall. Auch der Sohn eines ehemaligen jemenitischen Ministers habe in Istanbul-Beyoğlu eine Frau angefahren und schwer verletzt.

Bekam der Sohn des Hamas-Führers einen türkischen Pass?

Nach der großen Empörung im Zusammenhang mit dem Tod von Göçer habe man im Nachgang gegen den somalischen Präsidentensohn und den Sohn des jemenitischen Ex-Verteidigungsministers ein Ausreiseverbot verhängt. Offensichtlich ist das nichts weiter als eine Farce. Zumal zahlreiche dubiose Personen in der Türkei ein Leben in Saus und Braus führen.

Auch der Sohn des Hamas-Führers Ismail Haniyya zählt zu ihnen. Maaz Haniyya habe, verschiedenen Medienberichten zufolge, vor Kurzem sogar einen türkischen Pass erhalten. So kann er weltweit für die bewaffnete radikale Organisation, die in Palästina regiert und von vielen Ländern, aber nicht von der Türkei, als terroristisch eingestuft wird, lobbyieren.