Ein Panzer Marder 1A3 steht während der internationalen Militärübung "Allied Spirit 2022" auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Hohenfels in einem Waldstück. Foto: Armin Weigel/dpa

Griechenland will die sechs gerade von Deutschland gelieferten Marder-Schützenpanzer an der Grenze zur Türkei stationieren. Für Scholz ist das kein Problem – für Erdoğan schon.

Griechenland will die ersten sechs im Zuge eines Ukraine-Ringtauschs gelieferten deutschen Marder-Schützenpanzer an der Grenze zur Türkei stationieren. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis kündigte nach einem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz an, sie würden zum griechisch-türkischen Grenzfluss Meriç (griechisch: Evros) im Nordosten des Landes gebracht.

„Unsere Streitkräfte gehen davon aus, dass sie dort am nützlichsten sind.“ Scholz betonte, es stehe Griechenland frei, die Schützenpanzer zu stationieren, wo es wolle. „Wir haben die Marder an Griechenland geliefert und da gibt es keine tägliche Meldung, wo die stehen. Wir fragen auch nicht nach.“

Massive Spannungen im Grenzgebiet

Griechenland sei ein sehr respektvoller NATO-Partner, mit dem man auf vielen Feldern zusammenarbeite. Den Umgang mit gelieferten Waffen nachzufragen, wäre eine „sehr merkwürdige Vorgehensweise“, sagte Scholz.

Zwischen Griechenland und der Türkei gibt es massive Spannungen, bei denen es auch um die Stationierung von Waffen und Truppen auf griechischen Inseln im Mittelmeer geht. Die Türkei stellt deshalb die Souveränität Griechenlands über zahlreiche Inseln in der Ägäis in Frage und fordert eine umgehende Entmilitarisierung.

Scholz nimmt Griechenland in Schutz

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte Griechenland zuletzt wiederholt mit dem Satz gedroht: „Wir könnten plötzlich eines Nachts kommen.“ Scholz nahm Griechenland bereits vor dem Treffen mit Mitsotakis in einem Interview mit der griechischen Zeitung „Ta Nea“ gegen solche Drohungen in Schutz.

„Es ist nicht akzeptabel, wenn ein NATO-Partner die Souveränität eines anderen infrage stellt“, sagte er. „Das gilt auch für mehr oder weniger verschlüsselte militärische Drohungen.“ In der Pressekonferenz mit Mitsotakis positionierte sich Scholz nicht noch einmal so deutlich.

„Schade, dass Herr Erdoğan sich in eine Sackgasse begibt“

Er verwies aber auf seine Interview-Äußerungen. Der Kanzler betonte, gute nachbarschaftliche Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei seien auch für Europa und die transatlantischen Beziehungen von Bedeutung. Deswegen sei er sicher, dass Konflikte „immer im Dialog auf der Grundlage des Völkerrechts gelöst werden“.

Auch Mitsotakis betonte, es könne eine Lösung der Probleme nur auf Basis internationalen Rechts geben. Gleichzeitig kritisierte er den türkischen Präsidenten. „Es ist wirklich schade, dass Herr Erdoğan nicht sieht, dass er sich in eine Sackgasse begibt, wenn er sein Volk hinsichtlich Griechenland mit Lügen vergiftet.“

Griechenland liefert 40 Schützenpanzer sowjetischer Bauart

Sowohl das Nachbarland als auch alle internationalen Partner wüssten genau, dass die griechischen Inseln niemanden bedrohten. In dem Interview bot Scholz auch eine deutsche Vermittlung in dem Streit an. Das gemeinsame Ziel sollte es sein, das wirtschaftliche Potenzial der östlichen Mittelmeer-Region „zum Wohle aller Länder“ auszuschöpfen, sagte er. „Sofern das von den Beteiligten als nützlich betrachtet wird, kann sich Deutschland hier einbringen.“

Erdgas, Inseln, Historie: Warum Erdoğan Griechenland mit Krieg droht

Deutschland hatte vor wenigen Tagen die ersten sechs Marder-Panzer im Zuge eines Ringtauschs für die Unterstützung der Ukraine an Griechenland geliefert. Die Regierung in Athen hat sich verpflichtet, insgesamt 40 Schützenpanzer sowjetischer Bauart des Typs BMP-1 ins Kriegsgebiet zu schicken, die es einst aus DDR-Beständen erhalten hatte.

Marder-Panzer sollen bei Parade präsentiert werden

Die griechischen Streitkräfte bekommen dafür 40 deutsche Marder. Die ersten sechs sollen am Freitag – einem der beiden griechischen Nationalfeiertage – bei einer Parade in Thessaloniki präsentiert werden.

Es wird erwartet, dass sie anschließend ins Grenzgebiet transportiert werden. Dort hatte Athen den Grenzschutz in den vergangenen Jahren massiv verstärkt. Ziel ist auch, Migranten daran zu hindern, in die EU zu kommen.

dpa/dtj