Bundeskanzler Olaf Scholz (l.) und Kyriakos Mitsotakis, Ministerpräsident Griechenlands, in Athen. Foto: Soeren Stache/dpa

Vor dem Hintergrund der Spannungen mit Athen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan zum Hörer gegriffen und eine „neutrale Haltung“ von Deutschland gefordert. Zuvor hatte Bundeskanzler Olaf Scholz Griechenland in Schutz genommen.

Die Beziehungen zum Nachbarn Griechenland sind derzeit auf einem Tiefpunkt. Ankara argumentiert etwa, Athen verstoße mit der Militarisierung von Inseln in der Ost-Ägäis gegen internationale Verträge. Griechenland begründet sie mit einer Bedrohung durch Ankara und dem Recht auf Selbstverteidigung.

Erdoğan hatte dem Nachbarn zuletzt wiederholt mit dem Satz gedroht: „Wir könnten plötzlich eines Nachts kommen.“ Bei seinem Antrittsbesuch in Athen hatte Scholz Griechenland gegen die Drohungen der Türkei in Schutz genommen. Athen hatte auch entschieden, die ersten sechs im Zuge eines Ukraine-Ringtauschs gelieferten deutschen Marder-Schützenpanzer an der Grenze zur Türkei zu stationieren.

Erdoğan will Zollunion aktualisieren

Erdoğan habe in dem Telefonat mit Scholz nun zudem angeregt, den Dialog zwischen Ankara und der Europäischen Union, die Gespräche über die Aktualisierung der Zollunion und die Beitrittsverhandlungen wiederzubeleben. Die 2005 begonnenen EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei liegen bereits seit mehreren Jahren wegen der aus Brüsseler Perspektive unbefriedigenden Entwicklungen in dem Land auf Eis.

Erdgas, Inseln, Historie: Warum Erdoğan Griechenland mit Krieg droht

In der Erklärung des deutschen Regierungssprechers Steffen Hebestreit zu dem Telefonat war Erdoğans Forderung hinsichtlich Griechenland kein Thema – dort hieß es nur, der Kanzler und der türkische Präsident hätten sich über die „Lage in der Region“ ausgetauscht.

Gemeinsame Russland-Kritik

Zudem lobte Scholz demnach den Einsatz der Türkei zur Fortsetzung der ukrainischen Getreideexporte über das Schwarze Meer. Der Kanzler wies demnach erneut die russischen Anschuldigungen zurück, dass die Ukraine den Einsatz einer radioaktiven „schmutzigen Bombe“ vorbereite.

„Der Bundeskanzler und der türkische Staatspräsident waren sich einig, dass Russlands nukleare Rhetorik unverantwortlich sei“, erklärte Hebestreit.

dpa/dtj