Touba: Gläubige haben sich vor der Großen Moschee zu einer der weltweit größten muslimischen Pilgerfahrten eingefunden. Die Stadt gilt als heilige Stadt der muslimischen Bruderschaft der Mouriden. Foto: Stefan Kleinowitz/dpa

Die Stadt Touba im Senegal ist so etwas wie das Mekka der westafrikanischen Muslime. Jedes Jahr pilgern bis zu vier Millionen Gläubige dorthin. Das Event kurbelt auch die heimische Wirtschaft ordentlich an.

Hunderttausende Gläubige haben sich im westafrikanischen Senegal zu einer der weltweit größten muslimischen Pilgerfahrten eingefunden. Die Stadt Touba, etwa 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Dakar, gilt als heilige Stadt der muslimischen Bruderschaft der Mouriden. Sie gehören zur Sufi-Strömung des Islam.

Im vergangenen Jahr nahmen nach Angaben des Organisationskomitees der Pilgerfahrt mehr als vier Millionen Gläubige teil. Das übertrifft die Größe einer der bekanntesten muslimischen Wallfahrten nach Mekka in Saudi-Arabien: So zählte der Hadsch vor der Pandemie im Jahr 2019 gut 2,5 Millionen Gläubige.

Staat im Staate

Die Stadt Touba, die zweitgrößte im Senegal mit rund 1,5 Millionen Einwohnern, hat einen Sonderstatus: Sie ist eine Art Staat im Staate. Es gilt dort das Gesetz des amtierenden Kalifen – derzeit Serigne Mountakha Mbacké – basierend auf der islamischen Scharia.

Der Kalif ist der oberste Führer der Mouriden und ein direkter Nachkomme von Cheikh Amadou Bamba Mbacké (1853-1927), der die islamische Glaubensrichtung und deren heilige Stadt Ende des vorigen Jahrhunderts gründete. Die Wallfahrt, der Magal, erinnert an seine Rückkehr aus dem Exil unter der französischen Kolonialherrschaft.

Keine Corona-Maßnahmen

Zwei bis drei Tage lang beten und essen die Gläubigen zusammen. Die wichtigsten Programmpunkte können auch per Livestream im Internet verfolgt werden. Der Magal ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in dem 18-Millionen-Einwohner-Land: Die gestiegene Nachfrage nach Transport, Nahrungsmitteln, Handyguthaben und festlicher Kleidung lässt das Handelsvolumen regelmäßig bis auf das Dreifache anwachsen.

Besondere Corona-Maßnahmen für die Wallfahrt in Touba waren nicht bekannt. Im vorigen Jahr stellte das Organisationskomitee kein Ansteigen der Covid-19-Fälle nach der Pilgerfahrt fest. Das Gesundheitsministerium im Senegal, in dem Testkapazitäten limitiert sind, hat nach tagesaktuellen Angaben vom Donnerstag seit Beginn der Pandemie rund 88.300 positive Corona-Fälle registriert.

dpa/dtj