Es mag zwar simpel klingen, aber auch die Frage, ob der Sport im Islam „Haram“ sei, wurde mir gestellt. Es hätten wieder ‚irgendwelche Imame irgendwo in einem Dorf den Sport verboten‘. Mit einem kurzen Schmunzeln fragte ich mich: Wieso wird eigentlich nicht der Prophet als Beispiel genommen, sondern eigene Erkenntnisse? Wieso arbeitet man nicht mit Fakten?

Naja. Diese Frage war zumindest der Anlass für diesen Artikel hier, in dem ich über den „sportlichen“ Teil des Lebens des Propheten Muhammad schreiben möchte.

Der Islam schränkt sich tatsächlich nicht nur auf die Religion ein, sondern fordert die Menschen auch dazu auf, in gesellschaftlichen, sozialen und administrativen Angelegenheiten aktiv mitzuwirken. Seien es aktive Teilnahmen an Veranstaltungen, Projekten, Vereinen oder aber auch körperliche Betätigungen.

Der Zustand des körperlichen Wohlbefindens, also der Schutz vor Krankheiten bzw. Verschmutzungen/Verunreinigungen, ist Pflicht im Islam. Deshalb wird das Rauchen, der Alkohol, nicht-geschächtete Tiere (aufgrund des Blutes im Körper des Tieres), zu vieles Essen und Trinken verboten.

Damit der Mensch seinen sowohl irdischen, als auch jenseitigen Beschäftigungen nachgehen kann, braucht er die Gesundheit. Ein ungesunder Mensch ist nicht in der Lage, tauglich für sich und für die Menschheit zu sein. Deshalb obliegt es jedem Muslim, seinen Körper gesund zu halten und sich zu pflegen.

Sport zur Zeit des Propheten Muhammad

Der Koran und die Sunna sind die beiden Hauptquellen des Islams. Sobald eine Quelle zu einem bestimmtem Thema keine Antwort liefert, setzt die andere Quelle ein. Genauso ist es auch mit dem Thema Sport. Da es keine ausdrückliche Aussage zum Sport gibt, wendet man sich an die Sunna, die denselben Status in der Religion hat.

In diesen islamischen Quellen sehen wir, dass der Prophet Muhammad seinen Gefährten Ratschläge erteilte und sie motivierte, Sport zu treiben bzw. gesund zu bleiben. Die meisten Sportarten, die zur Zeit des Propheten Muhammad existierten, sind heute fast nicht mehr präsent bzw. beliebt. Jedoch ist das Ziel dabei, die allgemeine Beschäftigung bzw. die Einstellung des Propheten bzw. des Islams zum Sport in den Vordergrund zu stellen.

Besonders renommiert waren Sportarten wie das Reiten, Jagen, (Speer)Werfen, Wettlaufen, Ringen und Schwimmen. Aus vielen Ḥadīthen ist zu entnehmen, dass sich der Prophet, immer wenn er an Jugendlichen vorbeiging, die Sport trieben, daran beteiligte, sogar selber Kräfte gemessen habe. Er habe dadurch die Jugendlichen zu mehr Sport motiviert und Tipps gegeben.

Bogenschießen:

Das Bogenschießen wurde vielmehr zur Jagd benutzt. Der Prophet regte die Gläubigen dazu an, ihren Kindern in sehr jungem Alter das Bogenschießen beizubringen. Das Training förderte er, indem er Wettkämpfe organisierte, in denen er auch rivalisierte. Er wies aber auch darauf hin, keine Lebewesen als Übungsziel zu benutzen, sondern sich eigene Ziele zu entwerfen.

Reiten

Zur populärsten und alltäglichsten Sportart gehörte das Reiten. Es gab viele Pferderennen, die von der Bevölkerung regelmäßig besucht wurden. Pferde-, Kamel- und Eselrennen wurden immer wieder organisiert. Der Prophet besuchte des Öfteren diese und verlieh Geschenke, um zu weiteren Organisationen anzuregen.

Auch führte er Wettkämpfe mit seinen Gefährten wie zum Beispiel Abu Bakr und Umar durch. (Die Quelle besagt, dass der Prophet Muhammad diesen Wettkampf gewann, Abu Bakr Zweiter und Umar Dritter wurden.)

Ringen

Das Ringen war so weit verbreitet, dass sogar die Gewinner der bekannten Wettkämpfe ein hohes Ansehen in der Bevölkerung genossen. Junge Prophetengefährten rangen gegeneinander, um zu beweisen, dass sie reif waren.

Rennen

Quellen zufolge war der Prophetengefährte und spätere Khalif Ali der schnellste unter den Gefährten. Es wurden zu der Zeit regelmäßige Kurz- und Langstreckenläufe ausgerichtet, in denen die Jugendlichen gegen die älteren Personen wetteiferten. Auch der Prophet Muhammad wetteiferte mit seiner Frau Aischa, wobei er mindestens einmal verlor und gewann.

Schwimmen

Das Schwimmen erlernte der Prophet in seiner Kindheit, als er mit seiner Mutter nach Medina ging. In einem Ḥadīth erwähnt er, dass es dem Vater obliegt, seinem Kind das Schreiben, das Werfen und das Schwimmen beizubringen. Interessant daran ist auch, dass er seinen Gefährten an einem trockenen Ort wie Mekka das Schwimmen vorschreibt.

Von daher sollten die sportlichen Betätigungen den Muslimen nicht fremd sein. Worauf sie sich aber dennoch beziehen, um sie in Frage zu stellen, bleibt offen. Fakt ist, dass die Ablehnung des Sports in den meisten Ländern einen politischen Hintergrund hat und dieser jedoch von Zeit zu Zeit durchbrochen wird. Mit Blick auf die letzten Olympischen Spiele ist auch eine gewisse Sportrenaissance in der islamischen Welt bzw. bei den Muslimen zu beobachten.