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Erdoğan: Russland rüstet die PKK mit Raketen aus

PKK-Kämpfer mit Flugabwehrrakete

Symbolfoto: Ein PKK-Kämpfer mit einer Flugabwehrrakete

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat Russland Medienberichten zufolge vorgeworfen, die PKK mit Boden-Luft-Raketen ausgerüstet zu haben. „Die Terroristen haben Anti-Flugzeug-Kanonen und Raketen, die (ihnen) von Russland gegeben wurden“, sagte Erdoğan beim Rückflug aus der Kurdenmetropole Diyarbakır nach Berichten der Zeitung „Sabah“ und anderer regierungsnaher Medien vom Montag. Die Waffen hätten die PKK über Syrien und den Irak erreicht. Dabei beteuerte er erneut, dass es eine Zusammenarbeit zwischen der PKK und der als „Parallelstruktur“ diffamierten Hizmet-Bewegung gebe. „Wir müssen es so sehen, dass es zwischen der PKK und der Parallelstruktur keinen Unterschied gibt“, so Erdoğan.

Vor gut zwei Wochen war es in der südosttürkischen Provinz Hakkâri zu schweren Gefechten zwischen türkischen Sicherheitskräften und PKK-Kämpfern gekommen, bei denen mindestens sechs Soldaten und sechs PKK-Terroristen getötet wurden. Dabei war ein türkischer Kampfhubschrauber vermutlich abgeschossen worden. Die Armee hatte zunächst von einem technischen Defekt gesprochen. Später hatten die Streitkräfte eingeräumt, der „Cobra“-Helikopter sei möglicherweise doch abgeschossen worden. Die PKK hatte ein Video veröffentlicht, das den Abschuss zeigen sollte. Bei dem Vorfall waren die beiden Piloten getötet worden.

Es war erst das dritte Mal, seit die Kämpfe zwischen dem türkischen Staat und der PKK 1984 begannen, dass PKK-Kämpfer einen türkischen Helikopter abschießen konnten. Warum das Raketenwarn- und das Raketenabwehrsystem des Helikopters den Abschuss nicht verhindert haben, ist noch nicht bekannt. Bei dem im Video abgefeuerten Boden-Luft-Raketenwerfer handelt es sich um das russische Modell SA-18. Dies muss jedoch nicht zwangsläufig heißen, dass die Waffe auch aus Russland geliefert wurde. Sie gehört dem Militärexperten Metin Gürcan zufolge zur Standardausrüstung des syrischen Militärs. Es sei daher gut vorstellbar, dass sie als Beutewaffen aus dem Bürgerkrieg in Syrien über den Schwarzmarkt in die Hände der PKK gelangt ist.

Die Beziehungen zwischen Moskau und Ankara sind seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets im syrisch-türkischen Grenzgebiet durch die Türkei am 24. November letzten Jahres auf einem Tiefpunkt. Russland fordert eine Entschuldigung, die Erdoğan bislang verweigert. Erst am Freitag hatte der russische Präsident seine Bereitschaft signalisiert, eine Aussöhnung beider Länder zu ermöglichen, „wenn Ankara den ersten Schritt macht“. Es sei die Türkei gewesen, die „die Beziehungen ruiniert hat“, deshalb sei es auch an der türkischen Regierung, eine Annäherung zu initiieren.

Numan Kurtulmuş, Regierungssprecher und stellvertretender Premierminister, sendete daraufhin heute ein Signal der Entspannung nach Moskau. Weder Russland, noch die Türkei könnten sich gegenseitig „opfern“, so der AKP-Politiker. Dazu seien die Beziehungen der beiden Länder zu wichtig. Der Abschuss des russischen Flugzeugs im November habe sich nicht gegen Russland gerichtet. „Die Identität des Flugzeugs war nicht bekannt, als es abgeschossen wurde“, vielmehr sei es nicht Absicht der Türkei gewesen, das Flugzeug abzuschießen. „Ich wünschte, das wäre nie passiert. Ich wünschte, diese Spannungen wären nie entstanden. Wir hoffen, dass sie sobald wie möglich gelöst werden“, so Kurtulmuş.  (mit Material von dpa)

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