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Türkei mit jüngstem Team bei der EM: Daum und Bobic begeistert

Archivbild: Trainer Şenol Güneş gibt Anweisungen während des Spiels. Foto: Federico Gambarini/dpa

Der frühere deutsche Fußball-Nationalspieler Fredi Bobic traut der Türkei den EM-Titel zu. Die Milli Takım nimmt mit dem jüngsten Kader an der Endrunde teil. 

„Mein Geheimfavorit sind die Türken, sie haben eine richtig interessante Mannschaft, die komplette Abwehr spielt in der Premier League“, sagte der neue Geschäftsführer des Bundesligisten Hertha BSC in einem Interview von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“. Gemeint haben dürfte er damit vor allem Çağlar Söyüncü, der bei Leicester City zum absoluten Stammspieler und Leistungsträger gereift ist. Auch Ozan Kabak spielte im letzten halben Jahr leihweise für den FC Liverpool, wurde am Ende aber nicht fest verpflichtet.

Auch der ehemalige Bundesliga-Trainer und Türkei-Experte Christoph Daum glaubt an eine gute EM der türkischen Fußball-Nationalmannschaft. „Die starken Innenverteidiger sind eine solide Grundlage für das sehr gute Umschaltspiel der Nationalmannschaft“, sagte Daum der „Mediengruppe Münchner Merkur tz“ (Donnerstag). „Es ist keine Mannschaft, die mit Ballbesitz und Dominanz glänzt. Aber nach Ballgewinn geht es mit Tempo in die Spitze. Das macht die Türkei so gefährlich.“

Daum (67) hatte während seiner Trainerkarriere immer wieder auch in der Türkei gearbeitet. Im Eröffnungsspiel gegen Italien an diesem Freitag (21 Uhr/TRT1, TRT Spor, ARD und MagentaTV) in Rom hält Daum ein Remis der türkischen Auswahl für möglich. „Ich traue der Türkei eine Überraschung zu. Und das wäre aus meiner Sicht schon ein Unentschieden“, sagte er.

„Vor allem gegen große Nationen können sie ihr Potenzial abrufen. Nun spielen sie in Rom gegen Italien. Die türkischen Spieler werden voll motiviert sein und sich sagen: ‚Jetzt können wir wieder mal zeigen, wozu wir in der Lage sind!'“

Güneş erklärt Italien zum Favoriten und hat große Ziele

Der türkische Fußball-Nationaltrainer Şenol Güneş erhofft sich vom Erlebnis des EM-Eröffnungsspiels (ein Novum für die Türkei) vor Fans einen besonderen Schub für seine Mannschaft. „Wir spielen vor den Augen der ganzen Welt, das wird uns aufputschen“, sagte der 69 Jahre alte Trainer vor dem EM-Auftakt dem „Corriere dello Sport“. „Für uns hängt sehr viel vom Eröffnungsspiel gegen Italien ab“, sagte der Coach, der mit der Türkei in seiner ersten Amtszeit 2002 WM-Dritter geworden war. Sein Team stellt das im Schnitt jüngste Team (24,9 Jahre), die englische Nationalmannschaft bei dieser EM ist im Durchschnitt ein wenig älter (25,3). Die Türken haben zudem die meisten U23-Spieler für das Turnier nominiert (9).

In der Gruppe A mit der Schweiz und Wales sieht Güneş die Azzurri als klaren Favoriten auf das Weiterkommen. „Italien ist der Favorit und ist ein Kandidat für den Titelgewinn. Vor allem, weil sie zu Hause spielen“, sagte der erfahrene Coach, der seine Mannschaft zuletzt im ostwestfälischen Marienfeld in Deutschland auf das Turnier vorbereitete. Am Mittwoch reiste das Team nach Rom.

Langfristig will Güneş die Türkei unter den europäischen Top-Teams etablieren. „Es gibt die Top Five, die fünf großen Länder in Europa: Italien, England, Spanien, Frankreich und Deutschland“, sagte der Nationalcoach dem italienischen Blatt. „Ich würde noch die Niederlande dazu zählen. Wir wollen zu dieser Elite dazugehören.“

Eröffnungsfeier nur virtuell

Zur Eröffnung der Fußball-EM werden DJ Martin Garrix und die U2-Stars Bono und The Edge mit einem virtuellen Auftritt ihren offiziellen Turniersong präsentieren. Dafür sei der Auftaktspielort, das Stadio Olimpico in Rom, noch einmal digital erschaffen worden, teilte die Europäische Fußball-Union UEFA am Mittwoch mit. Zu den Klängen von „We Are The People“ werde das Spielfeld in eine weißblaue Flamme verwandelt, aus Millionen Lichtern werde ein Energiefeld erzeugt, hieß es. Sänger Bono werde auf die Bühne projiziert.

Der EM-Kader der Türkei im Überblick:

TOR: Uğurcan Çakır (Trabzonspor), Mert Günok (Başakşehir), Altay Bayındır (Fenerbahçe)

VERTEIDIGUNG: Zeki Çelik (OSC Lille), Mert Müldür (US Sassuolo), Merih Demiral (Juventus Turin), Ozan Kabak (FC Liverpool), Çağlar Söyüncü (Leicester City), Kaan Ayhan (US Sassuolo), Umut Meraş (AC Le Havre), Rıdvan Yılmaz (Beşiktaş)

MITTELFELD: Okay Yokuşlu (West Bromwich Albion), Taylan Antalyalı (Galatasaray), Dorukhan Toköz (Beşiktaş), Ozan Tufan (Fenerbahçe), Orkun Kökçü (Feyenoord Rotterdam), Yusuf Yazıcı (OSC Lille), Irfan Can Kahveci (Fenerbahce), Hakan Çalhanoğlu (AC Mailand)

ANGRIFF: Cengiz Ünder (Leicester City), Abdülkadir Ömür (Trabzonspor), Kerem Aktürkoğlu (Galatasaray), Burak Yılmaz (OSC Lille), Enes Ünal (FC Getafe), Kenan Karaman (Fortuna Düsseldorf), Halil Ibrahim Dervişoglu (Galatasaray)

dpa/dtj

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