Quelle: pixabay (Symbolbild)

Kürzlich haben wir das Thema „Bestattungen und Überführungen in Zeiten der Corona-Krise“ aufgegriffen. Unter den Facebook-Posts entwickelten sich interessante Diskussionen. Dabei ging es auch um die Frage, ob man sich in Deutschland oder der Türkei bestatten lassen sollte. Wir haben zwei Teilnehmer mit jeweils unterschiedlicher Position gefragt, ob sie sich vorstellen können, einen Gastbeitrag zu verfassen. Nachdem wir gestern den ersten davon veröffentlicht haben, folgt heute der zweite.

Ein Gastbeitrag* von Bettina Ö.

Leider machen wir uns zu Lebzeiten äußerst selten wirklich Gedanken zum eigenen Tod und was danach passiert. Es ist auch kein Thema, worüber wir gerne reden. Wir verdrängen es lieber, wohl wissend, dass der Tag für jeden von uns früher oder später kommen wird.

Mein muslimischer Mann hatte Krebs, die niederschmetternde Diagnose erhielt er 2011. Gestorben ist er dann aber ganz plötzlich, innerhalb von vier Tagen, im letzten August. Obwohl uns die Krankheit bekannt war, haben weder er noch ich das Thema Beerdigung je angesprochen.

Er war wie fast alle seine Freunde Moschee-Mitglied und hat auch in einen Bestattungsfonds eingezahlt, damit wir finanziell nicht allzu sehr belastet werden, wenn es soweit ist. Für ihre eigene Beisetzung in der Türkei treten viele zu Lebzeiten diesen Fonds bei. Doch dann kam plötzlich der Tag, den ich niemandem wünsche.

Eine Stelle zum Trauern – in nächster Nähe

Es ist so schwer, auf einmal Abschied nehmen zu müssen, mit dem Wissen, den liebsten Menschen nie mehr wiederzusehen. Ich war zum Glück nicht alleine und habe mit den Kindern dann gemeinsam entschieden, ihn in Deutschland zu beerdigen, obwohl ich wusste, dass er vom ganzen Herzen her gerne unter türkischer Erde gelegen hätte. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, ihn so weit weg zu bringen und keine Stelle zum Trauern zu haben.

Da er auch hier mit seiner Familie (Frau, Kinder und Enkel) immer glücklich war, bin ich mir sicher, dass wir richtig gehandelt haben. Islamische Beerdigungen und Friedhöfe sind in Deutschland ortsnah fast überall vorhanden. Auch der Imam in der Türkei hat seinen dort lebenden Verwandten gesagt: Erde ist Erde, der Mensch kann genauso auch dort bestattet werden, wo er gestorben ist, im Umfeld seiner Familie, egal in welchem Land. Wichtig sei nur, dass die Bestattung nach islamischem Brauch vollzogen werde.

Verbundenheit über den Tod hinaus

Nun haben wir die Möglichkeit, ihn jederzeit zu besuchen und das Grab so zu pflegen, wie er es verdient hat. So kann ich mich, wenn es soweit ist, dazu legen und unsere Kinder und auch Enkel werden immer einen festen Platz zum Trauern und Erinnern haben; auch jene, die immer einen festen Platz in unseren Herzen haben. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Den Bezug zum geliebten Menschen verliert man niemals, solange man diesen besuchen kann. Da die Entfernung es nicht immer zulässt, ist die Beerdigung in dem Land, in dem man Familie, Freunde und eine zweite Heimat hat, eine sehr schöne Möglichkeit der Verbundenheit über den Tod hinaus.

Sevdiklerini kaybeden herkese başsağlığı diliyorum.

DTJ-Leserin Bettina Ö. aus Unna (NRW)

* Gastbeiträge sind Beiträge von Personen, die nicht zur DTJ-Redaktion gehören. Manchmal treten wir an Autorinnen und Autoren heran, um sie nach Gastbeiträgen zu fragen, manchmal ist es der umgekehrte Fall. Gastbeiträge geben nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wieder.