Der Gedanke des Franchisings wird üblicherweise nicht mit gemeinnützigen Agenden in Zusammenhang gebracht. Das Konzept wird ja in aller Regel von Inhabern überregional oder sogar weltweit bekannter Marken angewandt, beispielsweise Fast-Food-Lokalen wie Burger King oder Subway oder auch Nachhilfeinstituten wie der Schülerhilfe oder dem Studienkreis.

Die Idee dahinter ist, ein erfolgreiches Geschäftskonzept, das sich in mehreren unterschiedlichen Regionen durchgesetzt hat, dorthin zu tragen, wo noch keine Präsenz vorhanden ist. Und weil der potenzielle Kunde ein klares Bild von den Waren und Dienstleistungen hat, die unter dem bekannten Markennamen vertrieben werden, braucht der Franchisegeber eine Sicherheit, dass sein Erfolgskonzept aus etablierten Regionen auch 1:1 umgesetzt wird. Im Gegenzug profitiert der Franchisenehmer davon, dass er den bekannten und erfolgreichen Markennamen nutzen darf – und sich auf diese Weise Risiken und Werbeaufwendungen erspart, die mit dem Aufbau eines eigenen Projekts verbunden wären.

Nun entdecken jedoch auch gemeinnützige oder nicht gewinnorientierte Organisationen diese Form des Vertriebes. Das Prinzip soll auf ähnlichen Überlegungen basieren wie das kommerzielle Franchising, Akteure vor Ort sollen vom Namen und der Reputation eines bekannten Namensträgers profitieren – der Zweck ist in diesem Fall jedoch ein sozialer. Nicht Gewinne sollen maximiert werden, sondern es sollen Menschen in die Lage versetzt werden, miteinander zu arbeiten und Ideen auszutauschen.

Die potenziellen Anwendungsbereiche des Social Franchising sind ähnlich unbegrenzt wie die Fülle an sozialen Aufgaben, die dadurch wahrgenommen werden können. Social Franchising kann im Bereich der Bildung stattfinden, im Umweltschutz, in der Arbeitsplatzbeschaffung für Behinderte oder in der Kinderbetreuung.

Gemeinnützige Teilnehmer bleiben durch Spenden oder den Staat finanziert

Im Unterschied zu vielen gemeinnützigen Organisation, die zur Durchführung staatlicher Aufgaben herangezogen werden, werden Social-Franchising-Netzwerke jedoch nicht mit ausschließlich durch öffentliche Mittel oder Spendengelder finanziert. Es bringen sich vielmehr auch Unternehmer in diese Netzwerke ein, die durch ihre Geschäftstätigkeit Gewinne erwirtschaften, aber diese verpflichten sich, einen erheblichen Teil davon in die Lösung von Problemen stecken, denen sich die Sozialunternehmen verschrieben haben, und in die Schaffung und Aufrechterhaltung von Strukturen, die den sozialen Zwecken dienen.

Einer der Pioniere des Social Franchising ist dabei Muhammad Yunus, Wirtschaftswissenschaftler und Friedensnobelpreisträger aus Bangladesch, der davon ausgeht, dass „die Struktur des Kapitalismus vervollständigt“ werden müsse.

Das Soziale ist auch Glaubwürdigkeitsfaktor nach innen

Der Zweck von Sozialunternehmen solle nicht die Gewinnmaximierung sein, sondern die Lösung von sozialen und ökologischen Problemen. Anfallende Gewinne werden nicht an die Anteilseigner ausgeschüttet, sondern in das Unternehmen reinvestiert. Die Anteilseigner können ihr Kapital jedoch mit der Zeit zurückerhalten.

In der Praxis geht es für Organisationen, die über den Vertriebsweg des Social Franchising arbeiten, darum, ihr Konzept an möglichst vielen Standorten mit möglichst hohen Qualitätsstandards und Erfolgsquoten zu verankern. Die Finanzierung von Non-Profit-Organisationen, die innerhalb solcher Netzwerke tätig sind, erfolgt allerdings weiterhindurch die öffentliche Hand oder mittels Spenden.

Entscheidend für den Erfolg des Social Franchising ist, dass das Soziale in den Netzen nach innen genauso wirkt und gilt wie nach außen. Mitarbeiter und Kunden müssen gleichermaßen den sozialen Aspekt positiv zu spüren bekommen. Der soziale Anspruch, der nach außen erhoben wird, muss sich auch im Umgang mit den Mitarbeitern zeigen und diese müssen ihrerseits hinter dem Konzept stehen. Denn akzeptable Arbeitsbedingungen und ein angenehmes Betriebsklima sind wesentliche Faktoren, die auch auf die Wahrnehmung eines Sozialunternehmens nach außen weiterwirken.