Die Karte spiegelt die Situation der Pressefreiheit in der Welt wider. Quelle: Reporter ohne Grenzen

Der Verein Reporter ohne Grenzen hat seine Jahresbilanz veröffentlicht. Demnach sind weltweit 387 Medienschaffende hinter Gittern, entführt oder spurlos verschwunden. In der Türkei wird ihre Zahl lediglich mit 13 angegeben. Wie begründet der Verein diese niedrige Angabe?

Reporter ohne Grenzen e.V. (RoG), der weltweit renommierte Verein zur Wahrung der Rechte von Personen in journalistischen Berufen, hat wie in den letzten Jahren auch seine Jahresbilanz der Pressefreiheit veröffentlicht. Diese Tradition führt der Verein schon seit 1995 fort. Dabei berücksichtige er eigenen Angaben nach nur Fälle, „in denen Reporter ohne Grenzen nach sorgfältiger Prüfung davon überzeugt ist, dass die Genannten in direktem Zusammenhang mit ihrer journalistischen Tätigkeit Opfer von Gewalt, Angriffen oder Unterdrückung geworden sind.“ War jedoch dieser „Zusammenhang nicht eindeutig feststellbar oder ist die Prüfung noch nicht abgeschlossen, wurden die Fälle nicht gezählt“. Dies führe beispielsweise in der Türkei zu niedrigen Zahlen.

Wirklich nur 13 Journalist:innen in türkischer Haft?

Der Türkei Barometer des RoG zählt derzeit 13 Journalist:innen in der Haft. Diese sind:

Ahmet Altan – ehemaliger „Taraf“-Chefredakteur

Uğur Yılmaz – DİHA

Ercan Gün – Fox TV News

Gültekin Avci – Bugün

Ayşenur Parıldak – Zaman

Hanım Büşra Erdal – Zaman

Aytekin Gezici 

Hüseyin Aydın – Cihan, Samanyoluhaber.com

Ufuk Şanlı – Vatan, Al-Monitor

Seyid Kılıç – TRT

Emre Soncan – Zaman

Nedim Türfent – DIHA

Miktat Algül – Mersin Mezitli FM

RoG ziehe im Zweifelsfall belastbare Zahlen höheren, aber womöglich unsicheren Angaben vor. Anders macht es beispielsweise das „International Press Institute“ (IPI), das in der Türkei derzeit 79 Journalist:innen in Gefängnissen zählt. 65 davon würden wegen Terrorismusvorwürfen in der Haft gehalten. Diese kommen in der Liste von RoG nicht vor.

Weltkarte von RoG: Türkei rot, Ägypten schwarz

Auf der Weltkarte von RoG „Pressefreiheit weltweit 2020“ ist die Türkei rot eingefärbt. Rote Länder sind der Kartenlegende nach solche, in denen es schwierig ist, als Journalist:in ungefährdet ihrer/seiner Arbeit nachzugehen. In diese Kategorie fallen neben der Türkei noch Länder wie Algerien, Marokko, Tschad, Benin, Nigeria, Süd-Sudan, Afghanistan, Indien, Kasachstan und Russland. Noch schlimmer wird die Lage in Ländern eingestuft, die schwarz markiert sind. Laut RoG sind das zum Beispiel Libyen, Ägypten, Somalia, Saudi Arabien, Irak, Syrien, Iran, China, Myanmar und Kuba.

Die gesamte Liste inhaftierter Journalist:innen in der Türkei

Als DTJ-Online beobachten wir seit vielen Jahren die Lage der Pressefreiheit in der Türkei. Dabei konnten wir feststellen, dass die Verhaftungen nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 exponentiell angestiegen sind. Doch auch Jahre vor dem Putschversuch ging die türkische Regierung rigoros gegen Medienschaffende vor und sperrte sie ein. Darunter sind Personen wie Hidayet Karaca, der bereits seit dem 19. Dezember 2014 inhaftiert ist und zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Wenn Sie einen Blick auf die gesamte Liste der Inhaftierten in der Türkei werfen wollen, können Sie die DTJ-Online-Liste inhaftierter Journalist:innen als PDF-Datei hier herunterladen.