Innenansicht der Mezquita von Cordoba. Die ehemalige Moschee wird seit der Reconquista als Museum und Kathedrale genutzt.
Die andalusische Regionalregierung wirft der katholischen Kirche eine Tilgung der muslimischen Vergangenheit der einstigen Moschee und heutigen Kathedrale von Cordoba vor.

Wird die Mezquita von Cordoba zum Muesum und damit zu einer Art zweiten Hagia Sophia? Geht es nach der Meinung von Teilnehmern einer Petition, ja. Auf der Petitionsplattform Change.org sprachen sich bis Dienstagabend 91.000 Personen dafür aus, der katholischen Kirche die Aufsicht über den Bau zu entziehen.

Das Bauwerk gehört mit rund 23.000 Quadratmetern zu den größten ehemaligen Moscheebauten der Welt. Es wurde unter den Emiren und Kalifen von Cordoba errichtet, die vom 8. bis 15. Jahrhundert über Andalusien und große Teile Spaniens herrschten. Im Zuge sogenannten Rückeroberung Spaniens („Reconquista”) wurde die Hauptmoschee des Kalifenreiches in eine katholische Kirche umgewandelt. Ihre Moschee-Struktur blieb erhalten, einige christliche Bauelemente wurden ergänzt.

Unter dem Motto „Kathedralen-Moschee von Cordoba: Das Erbe aller” startete nun eine Gruppe von Historikern, Juristen und Journalisten Ende 2013 eine Petition, um eine angebliche „juristische, wirtschaftliche und symbolische Vereinnahmung” durch die Kirche zu stoppen. Sie argumentieren, der Bau sei vor 30 Jahren nicht nur wegen seiner architektonischen Bedeutung, sondern auch als Symbol der Eintracht zwischen den verschiedenen Zivilisationen und Religionen zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt worden. Er müsse daher in das Eigentum der Allgemeinheit überführt werden. Die Regierung der Comunidad Autonoma de Analucia läßt rechtlich prüfen, ob es eine Möglichkeit zur Enteignung der Kathedrale gibt.

Die Initiatoren der Petition werfen dem Bischof von Cordoba vor, heimlich islamische Symbole aus der Kathedrale entfernen zu lassen. Sogar die Bezeichnung „Moschee” sei aus der offiziellen Broschüre gestrichen worden. Zudem kämen die zuletzt kräftig erhöhten Eintrittsgelder nur der katholischen Kirche zugute.

Die Petition hat an sich keine rechtliche Relevanz. Sie wurde allerdings auch von Maria Isabel Ambrosio, der zuständigen Regierungsvertreterin für die Provinz Cordoba unterzeichnet. Ambrosio ist es auch, die ein Rechtsgutachten in Auftrag gab, um Möglichkeiten zu suchen, wie die Kathedrale enteignet und verstaatlicht werden könnte.

Vor wenigen Tagen wurde auch eine Gegen-Petition im Internet gestartet. Darin wird die Regierung von Andalusien aufgefordert, sich um die wirklichen Probleme der Andalusier zu kümmern, „statt daran zu denken, wie man die Kathedrale von Cordoba rauben und enteignen“ könnte, berichtet katholisches.info. (kna/dtj)

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