Die Dokumentation „The Square“ über die Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz ist für einen Oscar nominiert.

Der Gegensatz könnte nicht krasser sein: Am Sonntag läuft die ägyptisch-amerikanische Regisseurin Jehane Noujaim in Hollywood über den roten Teppich. Für ihre oscar-nominierte Dokumentation „The Square“ („Der Platz“) stand sie Seite an Seite mit Demonstranten auf Kairos Tahrir-Platz, wurde verhaftet und riskierte ihr Leben. „Eine Straße mit Tränengas ist mir irgendwie vertrauter als die Szene hier in Hollywood“, sagte die 39-jährige Filmemacherin im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Sie freut sich über das enorme politische Interesse der Hollywood-Gemeinde. „Viele hier verfolgen die Kämpfe in Ägypten, in Kiew und in Caracas mit. Das sind unglaubliche Beispiele für die Macht des Volkes“, sagt Noujaim. Auf diesen Grundsätzen sei auch Amerika gegründet worden.

„The Act of Killing“ ebenfalls Oscar-Anwärter

Beim Empfang der nominierten Dokumentarfilmer im Akademie-Hauptquartier am Mittwochabend wurde weitere politische Dokumentationen vorgestellt. So konkurriert mit „The Square“ auch der Film „The Act of Killing“ um den Oscar. Das Dokudrama von Regisseur Joshua Oppenheimer dreht sich um das Gemetzel von Kommunisten in Indonesien nach einem Militärcoup im Jahr 1965.

Noujaim (Bild, neben dem Produzenten von „The Square“, Karim Ammer) wurde in Kairo geboren und ist die Tochter einer amerikanischen Mutter und eines ägyptisch-libanesisch-syrischen Vaters. Von ihr stammt unter anderem auch der Film „Control Room“, der die Rolle von Massenmedien während der amerikanischen Invasion des Iraks im Jahre 2003 behandelt. (dpa/dtj)