Leonardo DiCaprio und Mevlana

Er ist zweifellos einer der größten Stars Hollywoods: Mit dem Blockbuster Titanic als Teeniestar berühmt geworden, hat sich Leonardo DiCaprio in den letzten 20 Jahren mit Filmen wie Departed, Blood Diamond, Wolf of Wall Street oder Inception nicht nur einen Ruf als seriöser Schauspieler erarbeitet, sondern wurde zu einem der erfolgreichsten Stars der amerikanischen Traumfabrik. Dieses Jahr erhielt er für seine Leistung in The Revenant seinen ersten Oscar als bester Hauptdarsteller, nachdem Fans und Kritiker das bereits seit Jahren gefordert hatten.

Nun soll DiCaprio in die Rolle einer der größten Ikonen der muslimischen Geistesgeschichte schlüpfen: Wie die britische Tageszeitung The Guardian berichtet, hat der 41-Jährige zugestimmt, die Hauptrolle in einem Film über den berühmten Sufi-Mystiker Mevlana zu übernehmen. Jonathan Franzoni, Drehbuchautor des Kassenschlagers Gladiator, und Produzent Stephen Joel Brown wollen eine Filmbiographie über den berühmten mittelalterlichen Sufi-Mystiker Dschalal ad-Din ar-Rumi, in der Türkei besser bekannt als Mevlana, drehen.

Drehbeginn soll nächstes Jahr sein; Franzoni und Brown waren jedoch bereits letzte Woche in der Türkei, wo sie sich in Istanbul zu Gesprächen mit Mevlana-Experten getroffen und in Konya das Mevlana-Mausoleum besucht haben, um ihr Wissen über den Mystiker zu vertiefen. Dschalal ad-Din ar-Rumi wurde 1207 in Zentralasien geboren und ließ sich nach einer Odyssee in jungen Jahren, die ihn unter anderem nach Bagdad und Mekka führte, in Konya nieder, das damals die Hauptstadt des Seldschuken-Reichs war.

1244 traf Mevlana dort auf den Derwisch Schams-e Tebrîzî, einen Schüler des legendären sufistischen Mystikers Hadschi Bektasch Veli. Die Beziehung zu Tebrîzî veränderte Mevlanas Leben, inspirierte ihn zu seinen größten Werken und führte ihn in die Tradition der Derwische ein. Der Mevlevi-Orden, einer der berühmtesten Derwisch-Orden überhaupt, geht auf Mevlana zurück. Franzoni und Brown zufolge soll niemand geringeres als der Schauspieler Robert Downey Jr. die Rolle des Tebrîzî übernehmen.

Unabhängig vom Kulturkreis gilt Mevlana als einer der bedeutendsten Schriftsteller der Weltgeschichte, seine Hauptwerke Masnavi und Diwan zählen zu den wichtigsten Werken der Poesie, die je geschrieben wurden. Im Mittelpunkt von Mevlanas Poesie und Philosophie stand das Universum als harmonisches Ganzes, dessen zentrale Kraft die Liebe ist. „Er ist wie Shakespeare. Er ist eine Person, die enormes Talent und riesigen Wert für seine Gesellschaft und sein Volk hatte, und unübersehbar bis heute nachhallt. Solche Leute sind es immer wert, sie zu erforschen“, sagte Franzoni der britischen Zeitung.

Es gibt jedoch auch Kritik an der Besetzung der Rolle mit Leonardo DiCaprio: Nach der Kontroverse um die durchgehend weiße Besetzung der diesjährigen Oscar-Verleihung stoßen sich viele daran, dass ein persischer Dichter des 13. Jahrhunderts vom weißen US-Amerikaner DiCaprio gespielt werden soll. Für Franzoni uns Brown steht jedoch ein anderer Aspekt im Vordergrund: Ziel sei es den beiden zufolge, mit dem Film die stereotype Darstellung von Muslimen in westlichen Kinofilmen aufzubrechen, indem sie das Leben eines großen muslimischen Gelehrten auf die Leinwand und somit jüngeren Generationen in westlichen Ländern näher bringen.