Ein Mann in der sudanesischen Hauptstadt Karthum: Das Land kommt nach einem Militärputsch nicht zur Ruhe. Foto: Baha Ahmed / Unsplash

Umsturz, landesweite Proteste und eine umstrittene Militärführung: Im Sudan herrscht nach einem Militärputsch Chaus. Nun setzte die neue Regierung mehrere Botschafter ab – unter anderem ihren Gesandten in der Türkei. Die Hintergründe.

Wie das Staatsfernsehen am Samstagmorgen bekanntgab, handelt es sich um Spitzendiplomaten in Südafrika, der Türkei sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der neue Militärmachthaber, General Abdel Fattah al-Burhan, habe zudem einige Diplomaten im Außenministerium von ihren Aufgaben entbunden.

Bereits am Donnerstag hatten die neuen Machthaber den Botschafter des Landes bei der Europäischen Union und fünf weitere Diplomaten abgesetzt. Das Militär hatte am Montag nach Zuspitzung der politischen Lage die Macht in dem nordostafrikanischen Land mit seinen rund 44 Millionen Einwohnern übernommen.

al-Baschirs schweres Erbe

Al-Burhan hatte danach die Entmachtung ziviler Regierungsmitglieder bekanntgegeben und den Ausnahmezustand verhängt. Der zivile Widerstand dagegen führte zu Protesten, die diesen Samstag mit Massenkundgebungen ihren Höhepunkt finden sollen. Die Afrikanische Union suspendierte die Mitgliedschaft des Landes, bis die entmachtete Übergangsregierung unter ziviler Führung wiederhergestellt ist.

Die Weltbank setzte ihre Zahlungen an den Sudan ebenso wie die USA vorerst aus. Der Sudan war fast 30 Jahre lang von Omar al-Baschir regiert worden. Im April 2019 wurde der Langzeit-Machthaber dann nach Massenprotesten und einem Militärputsch aus dem Amt getrieben.

Daraufhin einigten sich das Militär und die zivile Opposition auf eine gemeinsame Übergangsregierung, die den Weg zu Wahlen ebnen sollte. Es folgten zahlreiche Reformen, wodurch sich das ölreiche, aber verarmte Land aus einer jahrzehntelangen Isolation befreien konnte.

Tote und Verletzte bei Massenprotesten

Bei den Massenprotesten der Demokratie-Bewegung im Sudan gegen die Militärmachthaber hat es nach Angaben des nationalen Ärztekomitees Tote und Verletzte gegeben. Mindestens drei Zivilisten starben demnach am Samstag in der Stadt Omdurman durch Schüsse von Milizionären.

Über Twitter teilte das Ärztegremium mit, die Toten hätten Schusswunden im Kopf- und Bauchbereich. Augenzeugen berichteten von einer großen Beteiligung der Bevölkerung an den Protesten sowie auch von Barrikaden mit brennenden Autoreifen.

dpa/dtj