Engin Öztürk spielt in der Netflix-Serie "50m²" den Hauptcharakter "Gölge". Foto: Netflix

Das türkische „Made by Netflix“-Repertoire wächst weiter. Zuletzt erschien Ende Januar eine Serie mit dem Titel „50m²“. Sie macht Spaß und hat eine starke humorvolle Seite, doch was die Besetzung, die Spannung und die Ausarbeitung der Konflikte angeht, enttäuscht der Drehbuchautor Burak Aksak auf ganzer Linie.

In 50m² versteckt sich der Auftragskiller Gölge (zu Deutsch: Schatten) in einer verlassenen Schneiderei und übernimmt die Identität des Sohnes des kürzlich verstorbenen Inhabers. Dieser Vorwand soll sein Leben retten, ja, sogar völlig auf den Kopf stellen. Die genehme Atmosphäre in diesem Istanbuler Viertel und die aufrichtige Freundschaft der Nachbarschaft machen den einstigen Killer zu einem scheinbar besseren Menschen. Er nimmt keine Aufträge von mächtigen Männern an, um deren Gegner aus dem Weg zu räumen. Vielmehr versucht sich Gölge in der Rolle eines türkischen Robin Hood. Natürlich verliebt sich der glutenintolerante Bad boy in die hübsche Tochter des selbsternannten Ortsvorstehers und versucht mit schlechten Gewohnheiten wie Alkoholkonsum zu brechen. Der Widerspruch zwischen Glutenintoleranz und exzessivem Alkoholkonsum stören den Drehbuchautor Burak Aksak wohl nicht.

„50m²“-Besetzung mindestens fragwürdig

Der Hauptdarsteller in 50m² ist Engin Öztürk. Seinen Einstand feierte der Schauspieler 2012 mit seiner Rolle in „Fatmagülün suçu ne?“. Dass diese Serie ein Exportschlager im arabischem Raum wurde, hat sicherlich zu seinem Aufstieg beigetragen. Seine erste wirklich wichtige Rolle bekam er in der einst sehr beliebten Serie „Muhteşem Yüzyıl“(„Magnificent Century“). Dort spielte er den jungen Prinzen und späteren Sultan Selim II. 50m² könnte nun der Durchbruch für den 34-Jährigen sein.

Dies gelang einem anderen Schauspieler, mit dem der Drehbuchautor dieser Netlifx-Produktion seinen bis dato größten Erfolg feierte. Die Rede ist von Ali Atay, der in der türkischen Kultserie „Leyla ile Mecnun“ spielte. Mit dieser Serie hatte Aksak 2011 landesweite Bekanntheit erlangt. Atay gehört heute zu den aufstrebenden Darstellern der Türkei.

Aksak punktet mit „Leyla ile Mecnun“-Ikone

Cengiz Bozkurt wurde mit seiner Rolle als „Erdal Bakkal“, einem Kiosk-Betreiber in Leyla ile Mecnun, zu einer Ikone. Sein Humor liegt in seinem schauspielerischen Witz. Genau das machte Bozkurt so beliebt. Auch durch die herausragenden Charakter-Adaptationen der Schauspieler wurde die einstige Low-Budget-Serie im türkischen Staatsfernsehen TRT1 so populär. Eine ähnliche Leistung kann Bozkurt auch in 50m² abrufen. Als inoffizieller Ortsvorsteher des Viertels setzt er sich selbstlos und unermüdlich für die Nachbarschaft ein und zieht arme Kinder groß, als wäre es seine eigenen. Auch Gölge wird durch seine warme Art umgarnt und auf den rechten Weg gebracht. Mit seiner süß-sauren Art ist der namenlose „Muhtar“ das Beste an der Serie.

Mit den Antagonisten liegt Aksak voll daneben

Schon die Besetzung der Hauptrolle ist gewöhnungsbedürftig. Denn Engin Öztürk wirkt ein wenig unflexibel. Als Auftragskiller wirkt der junge Mann wenig unglaubwürdig. Als ein  Alkoholiker, der aus Angst vor Gluten auf Weizenprodukte wie Brot verzichtet, ebenfalls. Ihn machen seine gelegentlichen Witze noch erträglich, aber ganz so gut wie „Mecnun Çınar“ aus Leyla ile Mecnun gelingen sie ihm nicht.

Doch ganz übel wird es mit den Bösewichten der Serie. Ziehvater von Gölge ist Kürşat Alnıaçık in der Rolle des Servet Bey. Dieser halbreiche Ganove will seinen von undefinierten ausländischen Mächten gesteuerten Auftrag erfüllen, um endlich zu den ganz großen Playern zu zählen. Natürlich trinkt er Whiskey, lässt Gölge Leute aus dem Weg räumen, betreibt illegale Geschäfte mit Waffen und will ausgerechnet das Viertel, in dem sich Gölge ein zweites Leben aufbauen will, für lukrative Bauprojekte vernichten. Abgesehen davon, dass das Szenario für Burak Aksak-Verhältnisse sehr einfallslos ist, spielt Alnıaçık seine Rolle phasenweise katastrophal. Während Hauptdarsteller Öztürk einigermaßen dazu gelernt hat, ist Alnıaçık in seiner Rolle der Serie „Deli Yürek“ Ende der 90er Jahre stecken geblieben.

Unser Fazit: 50m² trotzdem gucken? Wir finden ja. Auch wenn Kürşat Alnıaçık nicht der einzige schlechte Schauspieler der Serie ist, ist auch Cengiz Bozkurt nicht der einzige Gute. Das Glas, es ist eher halb voll als halb leer.

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