Türkei und Israel

Nach jahrelanger Eiszeit nähern sich die Türkei und Israel wieder an. Das türkische Außenministerium teilte am Freitag mit, bei bilateralen Gesprächen in London am Vortag habe es „Fortschritte“ gegeben. Man sei übereingekommen, ein Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen beim nächsten Treffen fertigzustellen. Diese Zusammenkunft solle „sehr bald“ stattfinden.

Zu den zentralen Konfliktpunkten gehören die Forderung der Türkei, die israelische Blockade des Gazastreifens zu beenden. Israel besteht darauf, dass Ankara die Operationen der radikalislamistischen Palästinenserorganisation Hamas in der Türkei stoppen soll. So verlangt die israelische Delegation, dass das nach wie vor geöffnete Büro der Hamas in Istanbul geschlossen wird. Bereits im Dezember hatte ein seit langem in der Türkei residierender Hamas-Funktionär auf israelischen Druck hin die Türkei verlassen müssen.

Dem religiös-konservativen und staatsnahen israelischen Mediennetzwerk Arutz Sheva zufolge ist die Annäherung der Türkei an Israel dem Konflikt mit Russland geschuldet. „In der Türkei gibt es nicht wirklich jemanden, mit dem wir reden könnten. Im Moment benutzen sie uns nur, um Druck auf die Russen aufzubauen“, zitiert Arutz Sheva eine „ranghohe israelische Quelle“. Der israelische Kolumnist Ari Yashar bezichtigt die Türkei deshalb, ein „doppeltes Spiel“ mit Israel zu spielen.

Erdgas als Antrieb zur Aussöhnung?

Seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets letzten November und dem darauffolgenden Konflikt mit dem Kreml habe die Türkei Engpässe beim Import von fossilen Brennstoffen. Deshalb habe man im Dezember mit den Normalisierungsgesprächen begonnen, an deren Ende auch eine Vereinbarung zum Import von israelischem Ergas stehen solle.

Tatsächlich war schon im Dezember bekannt geworden, dass es bei den Verhandlungen zwischen beiden Staaten auch um eine Zusammenarbeit im Energiesektor geht. Nach Unterzeichnung eines Normalisierungsabkommens solle sogar zügig über den Bau einer Erdgaspipeline zwischen Israel und der Türkei verhandelt werden.

Die traditionell guten Beziehungen zwischen beiden Staaten hatten sich ab Ende der 2000er Jahre kontinuierlich verschlechtert, spätestens nach dem sogenannten Mavi-Marmara-Zwischenfall im Mai 2010 folgte eine diplomatische Eiszeit zwischen beiden Staaten, die mehr als fünf Jahre andauerte. Ein als Hilfsflottile gekennzeichneter Schiffskonvoi hatte damals völkerrechtswidrig versucht, die Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen, um Hilfsgüter zu liefern und wurde von der israelischen Küstenwache unter Gewaltanwendung daran gehindert. Neun türkische Staatsbürger wurden dabei getötet und 30 Aktivisten sowie sieben israelische Soldaten verletzt.

Daraufhin eskalierte der Konflikt zwischen Israel und der Türkei, es kam zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen und heftigen gegenseitigen Beschuldigungen. Nachdem in den letzten Jahren mehrfach Gerüchte über geheime Gespräche zwischen beiden Ländern kursierten, wurde im Dezember bekannt, dass eine Übereinkunft zur Normalisierung der Beziehungen getroffen wurde. Selbst der türkische Präsident Erdoğan, der ansonsten nicht an harten Worten gegenüber Israel gespart hatte, äußerte sich positiv zur Annäherung der beiden Staaten; denn, so Eroğan: „Auch wir müssen uns eingestehen, dass wir Israel brauchen.


(mit Material von dpa)