Mustafa K. mit seinem Sohn. Foto: privat

Im hessischen Gießen versucht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge offenbar einen türkischen Asylbewerber abzuschieben. Dem Mann drohen in der Türkei Haft und sogar Folter.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) steht verschiedenen Medienberichten zufolge kurz vor der Abschiebung eines türkischen Flüchtlings. Wie das DTJ erfuhr, soll es sich dabei um den 39-Jährigen Mustafa K. handeln. K., der in der türkischen Großstadt Izmir eine als Gülen-nah geltende Schule leitete, flüchtete im Herbst 2019 über den lebensgefährlichen Grenzfluss Evros nach Griechenland und von dort aus nach Deutschland.

Nach Informationen des DTJ soll K. am Dienstag aus einer Flüchtlingsunterkunft im hessischen Gießen von Polizeibeamten abgeholt und zum Frankfurter Flughafen gebracht worden sein, um ihn mit einem Flugzeug in die Türkei abzuschieben. Nachdem K. mehrmals auf die mögliche Haftsituation in der Türkei aufmerksam gemacht und in Ohnmacht gefallen sei, habe man den Lehrer vorerst auf eine Polizeiwache im nahegelegenen Darmstadt gebracht.

„BAMF ignoriert Unterlagen“

K. sagte gegenüber dem englischen Exilmedium Turkishminute, dass ihm aufgrund seiner leitenden Position bei einer Gülen-nahen Schule Haft drohe, falls er in die Türkei zurückgeschickt werde. Er fürchte sich sogar vor Folter im Gefängnis. Deshalb habe er vor seiner Flucht in der Türkei auch anderthalb Jahre untertauchen müssen. „Es gibt einen Haftbefehl gegen mich. Obwohl ich die Unterlagen dem BAMF vorgelegt habe, wurden sie ignoriert. Die Entscheidung wurde ohne die Prüfung meiner Unterlagen getroffen“, so K. „Ich werde verhaftet und weiß nicht, wann ich mein Kind je wieder sehen werde. Die türkischen Gefängnisse sind aufgrund der Coronavirus-Pandemie ohnehin in einem schlechten Zustand.“ Er sei kein Verbrecher und habe nur als Lehrer gearbeitet. Er wolle nicht aufgrund seiner politischen Haltung im Gefängnis landen.

K. ist verheiratet und hat ein Kind. Die Entscheidung des BAMF den Mann abzuschieben, wirft Fragezeichen auf. Denn derzeit läuft noch ein Widerspruch gegen die Asyl-Ablehnung der Behörde. Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder kuriose Entscheidungen des BAMF trotz offener Nachweise.