Im Südosten der Türkei, in den Gebieten mit mehrheitlich kurdischer Bevölkerung, dauern die Kämpfe mit der PKK seit anderthalb Monaten an. Dabei ereignen sich unzählige menschliche Dramen. Neuesten Meldungen aus der Region zufolge werden in Städten, in denen die Kämpfe stattfinden, mittlerweile Tote von staatlicher Seite aus begraben, ohne die Angehörige zu benachrichtigen oder sie ihnen zu übergeben, damit sie Abschied nehmen können. So wurden Taybet İnan, Yusuf İnan, Doğan İşi, Ferdi Kalkan, Hacı Özdal und Abdulmecit Yanık, die in Cizre und Silopi umgekommen sind, von der Stadt beerdigt, ohne dass ihre Angehörigen überhaupt davon erfahren haben. Die Angehörigen, die sich an die Krankenhäuser der Städte gewandt hatten und die leblosen Körper ihrer Angehörigen übernehmen wollten, erhielten die Antwort, dass die Toten schon beerdigt worden sind.

Möglich wird diese Praxis durch eine neue Verordnung vom 7. Januar. Danach können leblose Körper aus der Gerichtsmedizin beigesetzt werden, ohne die Angehörigen benachrichtigen zu müssen. Bei manchen der Toten, wie Taybet und Yusuf İnan, die auf offener Straße erschossen wurden und deren leblose Körper tagelang ebendort liegen geblieben sind, ist nicht einmal bekannt, wo die Stadtverwaltung sie beerdigen ließ. Cizre und Silopi befinden sich seit fast einem Monat im Belagerungsszutand. Die Kämpfe in den Städten der Region dauern an, da jugendliche PKK-Kämpfer in den Städten Gräben ausheben und Barrikaden errichten, was die Sicherheitskräfte zu beenden versuchen.

Unterdessen versuchen die Menschen aus diesen Städten zu flüchten, um ihr Leben zu retten. Unternehmer, die ursprünglich aus Cizre stammen, haben vorgestern mit LKWs Hilfsgüter in die Stadt geschickt, um die Versorgung der Bewohner mit dem Nötigsten zu gewährleisten. Doch viele Menschen zogen es vor, auf den entladenen LKWs aus der Stadt zu fliehen, statt die Hilfsgüter anzunehmen. Über die tatsächliche Zahl der Toten und das Ausmaß der Zerstörung in der Region gibt es keine verlässlichen Informationen, die Angaben von staatlicher Seite haben sich bisher als wenig zuverlässig erwiesen. Mittlerweile soll jedoch bereits ein Viertel aller Familien aus der Region geflohen sein.