07.08.2021, Japan, Tokio: Boxerin Busenaz Sürmeneli aus der Türkei vergießt Tränen nach ihrem Sieg im Finale. Foto: Wang Dongzhen/XinHua/dpa

Die wohl außergewöhnlichsten Olympischen Spiele sind vorbei. Tokio erlebt ein Ringe-Spektakel mitten in der Corona-Pandemie und ohne Publikum. Nun ist die olympische Flagge bei Paris 2024. Sportlich erlebt das türkische Team die beste Bilanz in seiner Geschichte.

Die XXXII. Olympischen Spiele in Tokio sind Geschichte. Um 22.14 Uhr Ortszeit erlosch am Sonntag im Olympiastadion das olympische Feuer nach 16 Tagen und 339 Entscheidungen. Damit endeten die wohl außergewöhnlichsten Spiele – mitten in der Corona-Pandemie, mit einem Jahr Verspätung und ohne Zuschauer. Mit 13 Medaillen brach die Türkei ihren bisherigen Rekord, der noch von den Olympischen Spielen 1948 in London stammte.

Die Medaillengewinner der Türkei im Überblick:

Gold:

– Busenaz Sürmeneli (Boxen)
– Mete Gazoz (Bogenschießen)

Silber:

– Buse Naz Çakıroğlu (Boxen)
– Eray Şamdan (Karate-Kumite)

Bronze:

– Ferhat Arıcan (Kunstturnen)
– Hakan Reçber (Taekwondo)
– Hatice Kübra İlgün (Taekwondo)
– Rıza Kayaalp (Ringen)
– Yasemin Adar (Ringen)
– Taha Akgül (Ringen)
– Ali Sofuoğlu (Kata)
– Merve Çoban (Karate)
– Uğur Aktaş (Karate)

Deutsche Tokio-Bilanz getrübt

Die deutsche Olympia-Mannschaft hingegen musste sich in Tokio mit der schwächsten Ausbeute seit der Wiedervereinigung begnügen. Auch Eklats um Offizielle trüben die Bilanz. 37 Mal Edelmetall, davon zehnmal Gold, elfmal Silber und 16 Mal Bronze – das sind fünf Medaillen weniger als bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro und vier weniger als bei der bisherigen Negativmarke in Peking 2008.

Dem erfolglosen Auftritt aller Ballsport-Teams und dem schwachen Abschneiden früherer Medaillen-Garanten wie Ruderern und Renn-Kanuten sowie im Rad-Velodrom standen nur wenige Ausreißer nach oben entgegen. Tennis-Sensationssieger Alexander Zverev, Weitsprung-Star Malaika Mihambo und die Zweikämpfer um Gold-Ringerin Aline Rotter-Focken konnten die Gesamtbilanz nicht allein retten.

Rassismus und Tierquälerei

Noch bitterer für den Deutschen Olympischen Sportbund aber waren die Eklats um die rassistischen Ausfälle von Rad-Sportdirektor Patrick Moster gegen zwei afrikanische Teilnehmer im Straßenrennen und das Verhalten von Bundestrainerin Kim Raisner im Fünfkampf-Drama. Moster musste auch auf Druck des Internationalen Olympischen Komitees die Heimreise antreten. Der Weltverband sperrte ihn bis Jahresende. Raisner wurde wegen eines mutmaßlichen Faustschlags gegen das verweigernde Pferd von Annika Schleu vom Weltverband von den Tokio-Spielen ausgeschlossen. Schleu ihrerseits sah sich im Netz üblen Hassattacken ausgesetzt.

Paris ist bereit

Für das Internationale Olympische Komitee steht in einem halben Jahr das nächste sowohl politisch als auch pandemisch schwierige Ringe-Fest an. Dann werden in Peking die Winterspiele eröffnet. Zumindest politisch unkomplizierter wird es 2024 in Paris. Die Bürgermeisterin von Frankreichs Hauptstadt, Anne Hidalgo, übernahm die olympische Flagge für die Sommerspiele in drei Jahren.

Die Medaillenbilanz der Top-10-Länder und der Türkei in Tokio 2020 gestaltet sich wie folgt:

Medaillenspiegel (Endstand nach 339 Entscheidungen)
Platz Land Gold Silber Bronze Gesamt
1  Vereinigte Staaten 39 41 33 113
2  Volksrepublik China 38 32 18 88
3  Japan 27 14 17 58
4  Großbritannien 22 21 22 65
5  ROC (Russland) 20 28 23 71
6  Australien 17 7 22 46
7  Niederlande 10 12 14 36
8  Frankreich 10 12 11 33
9  Deutschland 10 11 16 37
10  Italien 10 10 20 40
35  Türkei 2 2 9 13

 

dtj/dpa