Inzwischen hat der frühere Chef der JetPA, Fadil Akgündüz, seine Geschäfte wieder aufgenommen. Mit dem Caprice Gold sollte ein 5-Sterne-Luxushotel entstehen.

Der türkische Geschäftsmann Fadıl Akgündüz gehört zu den bekanntesten Unternehmern der Türkei und ist auch eine Berühmtheit unter den Deutschtürken. Mit seiner Holding JetPA hatte er Ende der 1990er Jahre Hunderte Millionen DM von Auslandstürken gesammelt und ihnen mit „zinslosen Investitionsprojekten“ hohe Renditen versprochen. Eines der Investitionsprojekte sollte die Entwicklung und Produktion des ersten türkischen Autos sein.

Es waren die goldenen Jahre des „grünen Kapitals“. Unternehmen, überwiegend aus den anatolischen Wirtschaftszentren Konya und Kayseri, versprachen mit islamkonformen Geschäftsmodellen Renditen bis zu 30 % im Jahr. Ohne die nötigen unternehmerischen Grundlagen zu schaffen und rechtliche Genehmigungen einzuholen, reisten Vertreter dieser „Holdings“ in die europäischen Länder, in denen viele Türken lebten und sammelten Geld ein. Oft geschah dies in Moscheen mit dem Versprechen, eine „zinslose Wirtschaft“ aufzubauen.

Verzinster Kredit von Banken, zinslose Anlage in Holdings

Viele Deutschtürken ließen sich auf das trügerische Versprechen ein, nahmen nicht selten auch Darlehen von Banken auf – natürlich verzinst – und legten es in den Holdings an. Warnungen von Wirtschaftsexperten überhörten sie gern. Nicht nur, weil sie sich hohe Renditen erhofften und die Anlage islamkonform war, sondern auch, weil sie etwas Gutes für ihre alte Heimat tun wollten. Der Deutschtürke Mehmet Yılmaz* ist einer von den mehreren Zehntausend „Deutschländern“, die sich auf das Geschäft einließen. Er hat insgesamt 50.000 Euro in die Holdings Kombassan und Yimpaş angelegt. „Es ging mir nicht nur um die hohe Rendite“, sagt Yılmaz: „Sie haben uns versprochen, Arbeitsplätze in der Türkei zu schaffen und die türkische Wirtschaft zu stärken.“ Alleine die JetPA von Akgündüz soll unter den europäischen Türken schätzungsweise über 300 Mio. Euro gesammelt haben.

Obwohl Yılmaz juristische Schritte gegen die beiden Unternehmen eingeleitete, hat er keinen einzigen Cent von dem Geld zu sehen bekommen. „Die deutschen Gerichte haben uns Recht zugesprochen. Das Urteil wurde auch von den türkischen Gerichten anerkannt“, sagt er in der Hoffnung, nach über 10 Jahren wenigstens einen Teil von seiner Anlage zurückzubekommen. Jedoch erscheint dies als fast unmöglich, da die Holdings nach dem Prinzip Gewinn- und Verlustbeteiligung arbeiten.

Zudem entpuppten sich die Geschäftsmodelle der meisten Holdings schnell als Schneeballsystem. Nachdem das einstige Imperium von „Jet Fadıl“, wir er unter den Türken gennant wird, Pleite ging, kam er zunächst nach einer anderthalbjährigen U-Haft gegen eine Kaution von umgerechnet 52.000 Euro vorläufig auf freien Fuß. Im November 2006 verurteilte ihn dann ein türkisches Gericht endgültig zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zwei Monaten. Daraufhin floh er ins Ausland und kehrte erst 2008 wieder zurück. Wegen Verjährung musste er seine Haftstrafe dann nicht mehr antreten.

Neue Investitionen, alte Tricks

Inzwischen hat der frühere Chef der JetPA seine Geschäfte wieder aufgenommen. Eines seiner neuen Investitionsprojekte war das Caprice Gold, ein 5-Sterne-Luxushotel für die muslimische Mittelschicht in Istanbul. Der Bau des Megagebäudes hätte in spätestens drei Jahren fertig gestellt werden sollen. Doch nach fünf Jahren ist das Gebäude immer noch eine Baustelle, die Investoren sind verärgert. Akgündüz droht deswegen eine Milliardenstrafe.

Offenbar fürchtet der Multimillionär um sein Vermögen und Schadensersatzansprüche der Gläubiger. Inzwischen kam heraus, dass Akgündüz eines seiner anderen Hotels, dass Caprice Didim in Aydın, mit einem Wert von ca. 258 Millionen Euro seinem Neffen Fatih Mehmet Obut überschrieben hat. Daneben gingen auch 52 Villen sowie ein Megagrundstück im Wert von ca. 104,27 Millionen Euro auf das Eigentum des Verwandten über.

Gläubiger planen Sammelklage

Für das Vorhaben Timesharing-Hotel Caprice Gold sammelte der 58-Jährige insgesamt eine 347 Millionen Euro von insgesamt 12.000 zukünftigen Feriengästen ein. Bislang sollen aber nur 191,17 Millionen Euro ausgegeben worden sein. Von dem Verbleib der rund 156,4 Millionen Euro ist aber nichts bekannt.

Schon in der Vergangenheit hatte der aus dem östlichen Siirt stammende Akgündüz Eigentum an seine Verwandten überschrieben. So ging in den vergangenen Jahren das zu 98 Prozent der JetPA gehörende Tourismusunternehmen „Aytepe Turizm“ mit einem Wert von umgerechnet 208,5 Millionen Euro für nur drei Millionen Euro auf seine Schwester Avniye Obut und seinen Schwager Ibrahim Obut über.

Inzwischen bereiten die geprellten Gläubiger eine Sammelklage gegen Akgündüz sowie seine Schwester, seinen Schwager und seinen Neffen vor. Erst wenn diese eingereicht wurde, wird sich das Ausmaß des gesamten Schadens beziffern lassen.

* Name von der Redaktion geändert