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Kultur/Religion

Auszeit für den Körper, Hochzeit für den Geist: Der Fastenmonat Ramadan beginnt

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Wie sind in diesem Jahr die Gebetszeiten? Warum fasten Gläubige überhaupt? Die islamische Fastenzeit steht wieder vor der Tür. Und damit einhergehend auch viele Fragen, die an Muslim:innen gestellt werden. Wir haben für alle Interessierten – egal ob Muslim:in oder nicht, Fastende oder nicht Fastende – das Wichtigste zum Fastenmonat zusammengestellt.

Es ist wieder so weit. Ab Dienstag werden Muslim:innen einen Monat lang von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts essen und trinken. Während der Fastenzeit erlebt der Alltag von Muslim:innen für einen Monat einen radikalen Umbruch. Das fällt am Arbeitsplatz oder in der Schule auf. Dabei entstehen viele Fragen. Oft wird beispielsweise die Frage gestellt, warum der Ramadan jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt stattfindet. Tatsächlich fällt der Zeitraum des Fastenmonats jedes Jahr auf eine andere Zeit, da der islamische Kalender sich nach dem Mond richtet. Dieser Mondkalender hat anders als der gregorianische Kalender nur 354 statt 365 Tage. Dadurch verschiebt sich der Fastenmonat jedes Jahr um etwa zehn Tage nach vorn. So findet das Fasten quer durch alle Jahreszeiten statt. 2021 dauert das Fasten in Deutschland täglich etwa 16 Stunden.

In diesem Jahr beginnt der Ramadan wie eingangs erwähnt am 13. April an und endet mit dem Sonnenuntergang am 12. Mai 2021. Der genaue Beginn und das genaue Ende wird aber in jedem Land anders bestimmt. Während die türkische Religionsbehörde Diyanet sich beispielsweise auf wissenschaftliche Vorhersagen beruft und sich strikt an die im Vorfeld bestimmten Tage hält, wird in vielen arabischen Ländern weiterhin die traditionelle Methode der Mondsichtung angewandt. Dadurch kommt es in manchen Jahren vor, dass Muslim:innen jeweils zu unterschiedlichen Tagen mit dem Fasten beginnen oder am Ende feiern.

Was ist an Ramadan erlaubt?

Muslim:innen essen im Ramadan täglich nur in einem bestimmten Zeitraum. So gibt es bis spätestens zur Morgendämmerung ein kleines Frühstück. Die nächste Mahlzeit gibt es erst nach Sonnenuntergang. Zwischen dieser Zeit sind das Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr nicht erlaubt.

Wer muss (nicht) fasten?

Von den Regelungen zum Fasten sind unter anderem Kinder, Schwangere oder Stillende ausgenommen. Auch bei Krankheit oder im Reisezustand muss nicht gefastet werden. Die entsprechenden Tage müssen in diesen Fällen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Ein konkretes Alter für die Fastenpflicht gibt es nicht. Oft fangen Jungen aber mit dem Fasten an, sobald ihre Pubertät eintritt. Bei Mädchen wird die erste Periode als Richtwert genommen.

Was machen Muslim:innen im Fastenmonat?

Das Fasten gehört zu den sogenannten fünf Säulen des Islam. Im Ramadan halten Muslim:innen besonders inne und legen großen Wert auf religiöse Sitten. Neben dem obligatorischen fünfmaligen Gebet pro Tag, das übrigens auch außerhalb des Fastenmonats verpflichtend ist, gehen Muslim:innen in diesem Monat besonders oft in die Moschee, um in der Gemeinschaft den Koran zu lesen und zu deuten.

Zudem gibt es ein besonderes Gebet, Tarawih genannt, das in den Moscheen oder zu Hause nach dem letzten Gebet des Tages verrichtet wird. Dieses Gebet soll in diesem Jahr aufgrund der Pandemie in vielen Moscheen kürzer ausfallen als sonst.

Der Ramadan 2021.

Im Ramadan wird üblicherweise – wie hier in Istanbul – in großer Gemeinschaft gegessen und gebetet. Unter Pandemiebedingungen ist das nicht möglich.

Das Fasten stärkt außerdem die Selbstdisziplin der Gläubigen und vermittelt die wichtige Bedeutung des Islam als friedvolle und versöhnende Religion. Zudem achten Muslim:innen im Ramadan noch mehr als sonst darauf, gänzlich von Sünden frei zu sein. Dazu gehört auch: nicht fluchen, lästern oder streiten. 

Gleichzeitig spielt aber die Gemeinschaft und die Solidarität eine große Rolle. Normalerweise wird das Fasten nach Sonnenuntergang in der Gemeinschaft gebrochen. Dazu wird in Moscheen oder angeschlossenen Räumlichkeiten zum Fastenbrechen eingeladen, auch immer mehr Nicht-Muslim:innen gehören dann hierzulande zu den Gästen.

Almosen und Spenden werden in diesem Monat mehr als sonst verteilt. Besonders häufig spenden Gläubige an Ramadan ihre „Zakat-Spende“. Dabei handelt es sich um eine Spendenform, bei der jede/r Muslim:in ab einem bestimmten Vermögen mindestens 2,5 Prozent von ihrem oder seinem ersparten Vermögen an Bedürftige abgibt.

Die Krönung: Das Ramadanfest

Am Ende des Fastenmonats feiern Muslim:innen ein dreitägiges Ramadanfest (Eid-Al Fitr), das in Deutschland versehentlich auch als Zuckerfest bezeichnet wird. An jenem Tag besuchen jüngere Menschen traditionell ihre älteren Verwandten und Bekannten, um ihnen zum Fest zu gratulieren. Dabei gibt es viel Süßes und herzhaftes Gebäck. Die Kleinen erfreut man mit Geld- oder Sachgeschenken.

Ist es sinnvoll, den ganzen Tag über nichts zu essen und den Abend mit einer üppigen Mahlzeit zu begehen?

Nein, sicher nicht. Daher lautet die Empfehlung des Propheten Muhammad, leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen und sich von übermäßiger Nahrungsaufnahme fernzuhalten. Das stellt sich nach der ersten Woche automatisch ein. Fastende können nicht mehr so viel essen, selbst wenn sie es wollten. Eine Faustregel des Propheten, die auch außerhalb der Fastenzeit, also beispielsweise am Ramadanfest, Gültigkeit besitzt, lautet, dass ein/e Muslim:in seinen/ihren Magen zu einem Drittel mit Nahrung und zu einem Drittel mit Flüssigkeit füllen, das letzte Drittel aber leer lassen sollte.

Was kann ich meinen muslimischen Bekannten zum Ramadan sagen/schreiben?

Muslim:innen freuen sich zu Beginn dieser spirituellen Zeit, wenn Freund:innen und Bekannte ihnen alles Gute zum Ramadan und eine gesegnete Zeit wünschen.

Muslime freuen sich über eine kurze Nachricht jeweils zum Beginn und Ende des Ramadan.

Muslim:innen freuen sich in diesen Tagen über eine nette Grußbotschaft anlässlich des Ramadan.

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